Berlin (KNA) Da haben sich ARD und ZDF etwas vermeintlich Cleveres ausgedacht. Friedrich Merz (CDU/CSU) und Olaf Scholz (SPD) treffen sich in einer gemeinsam veranstalteten Runde zum "TV-Duell". In einem weiteren Format sollen sich Alice Weidel (AfD) und Robert Habeck (Grüne) begegnen. Das wird so nicht stattfinden, Habeck lehnt das Aufeinandertreffen mit Weidel ab, das Weidel schlicht als "Ameisen-Runde" qualifiziert. Und es stimmt ja: Die Planungen der öffentlich-rechtlichen Sender unterscheiden zwischen den Kanzlerkandidaten der ersten Klasse und jenen der zweiten Klasse. ARD und ZDF scheinen nicht begriffen zu haben, dass die Zeit der Volksparteien CDU/CSU und SPD vorbei und entsprechend die Tradition des "Kanzlerduells" Vergangenheit ist. Merkwürdigerweise hatten die öffentlich-rechtlichen Sender das schon bei der Bundestagswahl 2021 begriffen, als sie, wie auch die privaten Sender, zum Triell luden: Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) gaben in gemeinsamen Auftritten ihre Wahlversprechen zum Besten. Jetzt hat sich Lage erneut verändert, und zwar so, dass sie sich vom "TV-Duell" entscheidend entfernt hat. Nach den derzeitigen Umfragewerten führt die Union vor der AfD, der SPD und den Grünen. Alle vier haben Kanzlerkandidatin und -kandidaten ernannt. Weil ein Bundestagswahlkampf ansteht und keine Direktwahl des nächsten Bundeskanzlers, wäre eine Viererrunde - nennen wir sie mal "Quadriga" - eine naheliegende und im Sinne der Chancengleichheit passende Aufstellung. Das Fernsehen, zumal das die Ausgewogenheit stets bemühende öffentlich-rechtliche System, muss keine Koalitionsverhandlungen vorwegnehmen, sondern den Wettbewerb um die Wählerstimmen abbilden. Zudem es nicht verkehrt wäre, aufzuzeigen, wie sich alle Parteien, die Chancen auf Sitz und Stimme im nächsten Bundestag haben, also auch FDP, Linke und BSW, zueinander und gegeneinander verhalten. Das wäre dann eine Siebener-Runde, sprich: eine echte Herausforderung für den politischen Journalismus, aber wer wären die Journalistinnen und Journalisten von ARD, ZDF und den Privaten, wenn sie diese nicht stemmen könnten? Eine notwendige Vertiefung dieses Circus Maximus könnte die Einzelbefragung der Spitzen- und Kanzlerkandidaten aller sieben Parteien darstellen. Das wäre vielleicht der kleinste Quotenhit der bisher genannten Formate, aber jetzt, da ein Wahlkampf im Winter und damit zuerst im Medium Fernsehen ansteht, wäre das ein Akt der demokratischen Äquidistanz und der notwendigen Wählerinformation. Wahrscheinlich gibt es noch weitere Modelle und Formate, die in Betracht kommen, damit der TV-Wahlkampf fair und gleichberechtigt ablaufen kann. Was auf jeden Fall Not tut: Alternativen zu finden für das "TV-Duell" zwischen Merz und Scholz. ARD, ZDF und RTL geraten mit diesem Plan in den Verdacht, dass sie nicht Politik darstellen, sondern Politik machen wollen (und Quote natürlich). Vielleicht nur ein Verdacht, aber einer, der naheliegt und mit den Sendern jederzeit affiziert werden kann. Eine sich aufsplitternde Parteienlandschaft verlangt vom Medium Fernsehen gerade in Wahlkampfzeiten neue Lösungen, um die repräsentative Demokratie eben auch zu repräsentieren. Ein "TV-Duell", das nichts anderes als ein Aufguss des "Kanzlerduells" ist, reflektiert diese Herausforderung nicht, sondern verkleinert sie in unzulässiger Weise. ARD, ZDF und Private dürfen die Weihnachtstage für eine bessere, angemessene und vor allem gerechtere Planung ihrer Wahlkampfberichterstattung nutzen.