Im Strudel der Reform - Studie attestiert Kinderkanal hohe Akzeptanz bei Eltern und Kindern

Von Joachim Huber (KNA)

KINDERFERNSEHEN - Nach dem Willen der Politik soll es öffentlich-rechtliches Kinderfernsehen nur noch online geben. Dabei zeigt eine aktuelle Studie, wie wichtig der lineare Kinderkanal weiterhin ist.

| KNA Mediendienst

alt

Kika

Foto: ARD/WDR/Trickstudio Lutterbeck/KiKA/Studio 100Animation/ZDF/KNA

Berlin (KNA) Der Kinderkanal Kika ist in den Strudel der Reform des öffentlich-rechtlichen Systems geraten. Ein zentrales Element des entsprechenden Staatsvertrags, der im Dezember dieses Jahres in Kraft treten soll, ist die Stärkung von Zusammenarbeit und Synergien zwischen den Sendern, etwa durch die Reduzierung von Spartenkanälen und eine konsequente digitale Ausrichtung. Für den Kika gilt dabei die Vorgabe, dass er bis spätestens 2033 in ein vollständig non-lineares Angebot überführt werden soll. Auch hier wird mit der vorrangigen Nutzung neuer Medien durch junge Menschen und mit Kosteneinsparungen argumentiert. Diese Pläne sorgen für Kritik. Dahinter steht die Befürchtung, dass Kinder- und Jugendliche dann nur noch ihre Lieblingssendungen abrufen. Eine kuratierte, feste Sendeabfolge stelle dagegen sicher, dass junge Zuschauer mit unterschiedlichen Angeboten und Genres in Berührung kämen. Dieser Kritik hat sich Sachsen-Anhalts Medienminister Rainer Robra (CDU) angeschlossen. In der Rundfunk-Kommission des Landtags stellte er klar, die Reformvorschläge würden ein lineares Kika-Programm gar nicht ausschließen. Es gehe nur um den Verbreitungsweg über das Fernsehen. Ein online abrufbares Programm etwa über Live-Streams sei dagegen kein Problem. So oder so, die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Programms mit Sitz in Erfurt ist gesichert. Der Chef der Thüringer Staatskanzlei und Thüringens Medienminister, Stefan Gruhner, sieht im Reformstaatsvertrag "ein starkes Signal für Erfurt, für die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer - und für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrags." Wie sehr der Kika ein wesentlicher Bestandteil des Public Value der öffentlich-rechtlichen Sender ist, unterstreicht jetzt auch eine aktuelle Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI). Leiterin Maya Götz konstatiert zunächst, dass "das Kinderfernsehen, welches seine Inhalte mittlerweile über diverse Medien zur Verfügung stellt, nur selten öffentlich diskutiert und in seiner Rolle als zentrale Sozialisationsinstanz thematisiert wird." Das ist schon erstaunlich, weil eben zwischen SuperRTL, Disney Channel und Nickelodeon auf der einen und dem Kika auf der anderen Seite erhebliche Unterschiede bestehen. Die drei privaten Programme senden über 95 Prozent fiktionale Angebote, der öffentlich-rechtliche Kanal zeigt in 22 Prozent seiner Sendezeit non-fiktionale Inhalte. Kinder zwischen drei und zwölf Jahren geben den Kika zu 29 Prozent als ihren Lieblingssender an, gefolgt von SuperRTL mit 22 Prozent. In der IZI-Studie wird zunächst festgestellt, welche inhaltlichen, respektive genrespezifischen Inhalte Eltern wichtig sind. Die große Mehrheit aller befragten Eltern findet es (sehr) wichtig, dass es im Kinderfernsehen Wissenssendungen (93 Prozent) und Dokumentationen (89 Prozent) gibt. 75 Prozent finden zudem Kindernachrichten (sehr) wichtig. Dokumentationen und Nachrichtensendungen ("logo") sind Alleinstellungsmerkmal von Kika, der zudem eine Vielzahl von Wissenssendungen wie "Checker Tobi" ausstrahlt. Auch SuperRTL hat mit "WoozleGoozle" eine Wissenssendung im Programm. Für sieben von zehn Eltern ist es zentral, dass Kinderfernsehen in Deutschland produziert wird und die hiesige Lebenswelt widerspiegelt. Je älter die Kinder sind, desto wichtiger ist dies den Eltern. Das ist ein erstaunliches Ergebnis in zweierlei Hinsicht. Zum einen sind die USA auf dem Kinderfernsehmarkt oftmals das führende Produktionsland, was sich beispielsweise im Programm von Nickelodeon niederschlägt, das zu 98 Prozent aus in den USA hergestellten Eigenproduktionen besteht. Beim Disney Channel sind dies 74 Prozent, bei SuperRTL besteht das Programm zu 98 Prozent aus eingekauften Sendungen, die zumeist in den USA hergestellt werden. Beim Kika, dem Kinderkanal von ARD und ZDF, sind 75 Prozent des Programms eigenproduziert. Die Wertschätzung der Inhalte und Genres durch die Eltern korrespondiert offenbar nicht mit der Wertschätzung der Sender durch die Kinder - sonst müsste der Kinderkanal mit 29 Prozent sehr viel deutlicher vor SuperRTL (22 Prozent) liegen. So ähnlich zeigt sich das Ergebnisbild auch bei der Frage, wie sehr bis gar nicht geeignet die Eltern die verschiedenen Kindersender einschätzen. Der Kika wird von den Eltern mit deutlichem Abstand als am geeignetsten beurteilt (75 Prozent). Der Disney Channel folgt klar dahinter (39 sagen "sehr gut geeignet"), danach kommen SuperRTL (21 Prozent) und Nickelodeon (zwölf Prozent). In ihrem Fazit betont Maya Götz: "Eltern wünschen sich für ihre Kinder ein Medienangebot mit einer Vielzahl an Genres, das, wenn möglich, in Deutschland produziert wurde und die hiesige Lebenswelt widerspiegelt. Kika ist der einziger Sender, dem sieben von zehn Eltern dies attestieren." Ein Ergebnis, das die Rundfunkpolitik bei der Ausformulierung der Zukunft des Kinderkanals nicht übersehen sollte.

Lesen Sie weiter auf www.KNA-News.de