New York (KNA) Ende Oktober stand David Zaslav, Chef des heftig umworbenen Hollywood-Filmstudios und Medienunternehmens Warner Brothers Discovery, im Beverly Wilshire Four Seasons Hotel in Beverly Hills auf der Bühne und nahm den Menschenrechtspreis des Simon-Wiesenthal-Zentrums entgegen. In seiner Dankesrede sagte Zaslav laut dem US-Mediendienst Status unter anderem: "Wenn die Regierung die Nachrichten kontrolliert, ist das das Ende der Demokratie". Mit im Saal saß David Ellison, der mit seiner Produktionsfirma Skydance im Sommer den Medienkonzern Paramount übernommen hatte. Und auch wenn Zaslavs Bemerkung offiziell auf den Versuch der seinerzeitigen polnischen PiS-Regierung abzielte, vor einigen Jahren einen zu Discovery gehörenden Nachrichtensender zu zensieren: Angesichts der jüngsten Enthüllungen über Ellisons Gespräche mit US-Präsident Donald Trump wirke diese Aussage "wie ein Warnschuss direkt an seinen potenziellen Nachfolger", schrieb der US-Medienexperte Oliver Darcy im Online-Magazin Status, das sich der Analyse von Macht und Medien widmet. Denn Ellison selbst hat vor kurzem eingeräumt, mit Trump auch über dessen Vorbehalte gegen den Nachrichtensender CNN gesprochen zu haben. Trump hatte CNN schon bei seinem ersten Amtsantritt 2016 mehrfach als "Feind des Volkes" verteufelt. Nun hatte Ellison verlautbart: "Wir hatten übrigens sehr gute Gespräche mit dem Präsidenten darüber", mehr aber vorsichtshalber nicht gesagt. Doch wie das "Wall Street Journal" berichtet, habe Ellison "bei einem Besuch in Washington in den letzten Tagen Vertretern der Trump-Regierung versichert, dass er im Falle einer Übernahme von Warner umfassende Änderungen bei CNN vornehmen würde." Nun sah es Ende der vergangenen Woche noch ganz anders aus: Am Freitag hatte der Streaming-Dienst Netflix nach monatelangen Verhandlungen verkündet, für 72 Milliarden US-Dollar den zum Verkauf stehenden Medienkonzern Warner Brothers Discovery zu übernehmen. Die klassisch-werbefinanzierten TV-Sender des Konzerns - darunter CNN - sollten allerdings nicht Teil des Deals sein. Am Montag wandte sich Ellison dann mit einem feindlichen Übernahme-Angebot direkt an die Aktionäre. 108 Milliarden Dollar - und damit deutlich mehr als Netflix - will Paramount für Warner Bros. Discovery bieten - inklusive CNN. Schützenhilfe erhält Ellison dabei von niemand geringerem als dem Präsidenten selbst. Trump hatte zunächst angekündigt, den geplanten Deal mit Discovery einer gründlichen Überprüfung zu unterziehen, weil hier eine dominante Stellung auf dem internationalen wie dem US-amerikanischen Streaming-Markt entstehe. Seit Ellisons Gegenofferte hat Trump jetzt in den letzten Tagen mehrfach betont, dass jeder Verkauf von Warner Bros. Discovery auch CNN umfassen müsse. "Ich halte es für unerlässlich, dass CNN verkauft wird", sagte Trump und griff den Sender erneut scharf an. Er warf ihm vor, "Gift zu verbreiten" und nannte ihn eine "Schande", während er die Verantwortlichen von CNN als "korrupt oder inkompetent" diffamierte. Ein Besuch von CNN-Chef Mark Thompson - von 2004 bis 2012 Director General der britischen BBC - im Weißen Haus Ende Oktober hat offenbar wenig Eindruck bei Trump hinterlassen. Trump scheint aber auch noch auf einer ganz anderen Ebene indirekt in den Paramount-Vorstoß verwickelt zu sein. Laut "New York Times" (NYT) soll das Private Equity-Unternehmen Affinity Partners Ellisons Angebot mitfinanzieren. Gründer von Affinity Partners ist Trumps Schwiegersohn und sein früherer Chef-Berater Jared Kushner. Die genaue Höhe von Kushners geplantem Investment sei unklar, so die "NYT" . Doch eine Beteiligung eines Mitglieds der Präsidenten-Familie an dem Deal lässt bei vielen in den USA die Alarmglocken schrillen. Trumps Regierung muss den Deal wegen seiner Größenordnung in jedem Fall genehmigen, und der Präsident ist bekannt für seine Vorliebe, Freunde und Familienangehörige zu begünstigen. Das war schon beim Verkauf von Paramount so, als sowohl die Verkäufer-Familie Redstone wie David Ellison und sein Vater, Oracle-Gründer und Trump-Unterstützer Larry, auf Trump zählen konnten. Wenn auch mit kleinen Gegenleistungen. Noch unter Führung der Redstones legte Paramount eine eigentlich aussichtslose Trump-Klage wegen angeblich verzerrter Berichterstattung zugunsten seiner demokratischen Gegenkandidaten Kamala Harris gegen Zahlung eines dreistelligen Millionenbetrags außergerichtlich bei. Indem sich Trump in den Übernahme-Konkurrenzkampf einschaltet, versucht er ein weiteres Mal, seine Macht und Befugnisse zu erweitern. Denn nach den US-Kartellgesetzen sind nicht der Präsident, sondern nur die Wettbewerbs-Kommission des Justizministeriums oder der Federal Trade Commission befugt, Fusionen und Firmenzusammenschlüsse aus Wettbewerbsgründen und zur Verhinderung von Monopolen zu untersagen. Doch die Zeichen stehen günstig für Trump: Der Supreme Court, das höchste Gericht der USA, hat eben erst die Rolle des US-Kongresses eingeschränkt, die Macht des Präsidenten zu kontrollieren. Der Wettstreit um die Übernahme von Warner Bros. Discovery und CNN ist damit so offen wie umkämpft. Und Präsident Trump ist zum mächtigen, zugleich fragwürdigen und womöglich entscheidenden Faktor bei der Frage geworden, wer am Ende gewinnt. Auf die Frage nach Kushners Beteiligung an Paramounts Angebot erklärte Trump Anfang der Woche lediglich, er habe nie mit seinem Schwiegersohn über dieses Thema gesprochen. Auch sonst verhält sich der Präsident mehrdeutig. Hatte er vorher beide Ellisons gelobt und als gute Freunde bezeichnet, war er am vergangenen Wochenende vorsichtiger. Auf einer Veranstaltung des Kennedy-Centers am Sonntag überschüttete Trump Netflix-Chef Ted Sarandos mit Lob, warnte aber gleichzeitig, ein Erfolg im Netflix-Deal "könnte ein Problem darstellen". Mit Blick auf Sarandos und Ellison meinte Trump gleichzeitig: "Keiner von ihnen ist ein besonders guter Freund von mir" und fügte hinzu: "Ich will das Richtige tun. Es ist sehr wichtig, das Richtige zu tun." Am Montagmorgen kritisierte der Präsident dann Paramount überraschend deutlich für ein Interview mit der republikanischen Kongressabgeordneten Marjorie Taylor Greene. Die frühere Trump-Vertraute, die seit ihrer Forderung nach Freigabe der Epstein-Akten für das Weiße Haus Persona non grata ist, behauptete darin, viele Republikaner hätten Trump bis zur erneuten Wahl zum Präsidenten hinter seinem Rücken verspottet und hielten nun nur aus Angst um ihre politische Karriere zu ihm. "Sie sind kein bisschen besser als die alten Besitzer", schimpfte Trump auf seinem Social-Media-Dienst Truth Social über die Ellisons. Für die meisten amerikanischen Beobachter ist das aber reines Taktieren. Der CNN-Medienjournalist Brian Stelter hatte bereits vor Wochen gekalaulert, David Ellison verfüge über eine "Trump-Karte" in diesem Verkaufspoker, weil die Übernahme von Trumps Behörden genehmigt werden müsse und Ellison auf Trumps Fürsprache setzen könne. Kritiker fürchten nun, dass sich hier das gleiche Spiel wie bei Paramount wiederholt und ein weiterer großer US-Medienkonzern auf Trump-Kurs gebracht werden soll. Vor allem und erst recht CNN.