Hamburg (KNA) Am Donnerstag präsentierte die ARD, angeführt von Programmdirektorin Christine Strobl, in Hamburg ihre Programmpläne für 2026. "Akzeptanz für unser Geschäftsmodell ist unglaublich wichtig", sagte der ARD-Vorsitzende und HR-Intendant Florian Hager, "je digitaler die Welt wird", desto näher wolle man an die Menschen ran. Wiederholt war von "Augenhöhe" die Rede, die die ARD im Dialog mit ihrem Publikum anstrebt. Im Jahr mit fünf Landtagswahlen wird es neben den eingeführten Talkshows "Caren Miosga", "Maischberger" und "Hart aber fair" vier Ausgaben des "Townhall"-Formats "Die Arena" mit Louis Klamroth und Jessy Wellmer geben. In solchen Formaten mit Publikum, das Fragen stellt, verändere sich Dynamik und Hierarchie im Vergleich mit klassischen Talkshows, sagte Klamroth. ARD-Chefredakteur Oliver Köhr kündigte zu den Wahlen "spezielle Angebote" für Mediatheken und Social-Media-Kanäle an, um verstärkt mit jüngerem Publikum in Austausch zu kommen, nannte aber keine Details. "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni wird mit Co-Autor Philipp Awounou zur Fußball-Weltmeisterschaft der Männer im Sommer die Doku "Spielfeld der Macht" über das Zusammenspiel von Sport und Politik beisteuern. Die WM findet in Kanada, Mexiko und vor allem Donald Trumps USA statt. Als weitere "Doku-Highlights" kündigte die ARD die für den Herbst geplante Doku "No Angels - 25 Jahre WIR!" an - zum Jubiläum der "ersten deutschen Castingband", die 2000/01 aus der RTL 2-Castingshow "Popstars" hervorging. Ein Jahr lang wird die Band begleitet. Ausschnitte aus dem Material der Warner Bros.-Produktion zeigten tränennahe Erzählungen über schwierige Phasen sowie "schöne und magische" Momente - allerdings keinen analytischen Ansatz. Ebenfalls einem 25. Jahrestag, dem der Anschläge am 11. September, gilt die Doku-Serie "September - 30 Tage im Herbst". Spiegel-TV-Geschäftsführer Kay Siering versprach als Produzent einen multiperspektivischen Storytelling-Ansatz, der sich abhebe von den zahlreichen bereits zum Thema gedrehten Dokus. Mit "wahnsinnig emotionalen", noch unbekannten Geschichten sollen insbesondere auch junge Menschen angesprochen werden. Als Gesprächspartner werden unter anderem ein "bemerkenswert weicher Joschka Fischer" und der aktuelle Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), der seinerzeit als Praktikant in New York lebte, zu sehen sein. Der Geschichte des Musikwettbewerbs Eurovision Song Contest (ESC) gilt zum 70-jährigen Jubiläum eine weitere "Highlight"-Doku. Zugleich verkündete die ARD die Teilnehmer des deutschen Vorentscheids, den am 28. Februar Hazel Brugger und Barbara Schöneberger gemeinsam aus Berlin moderieren werden. Aus neun Acts, der Girlband Dreamboys und acht weiteren Interpreten, wird dieses Jahr eine internationale Jury drei Kandidaten auswählen, bevor dann das Publikum entscheidet. "Es wird mega", versprach Hazel Brugger. Die heftigen Kontroversen in der Europäischen Rundfunkunion (EBU) um die Teilnahme Israels kamen bei der bemerkenswert unpolitischen Präsentation nicht zur Sprache. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky vermeldete, dass Fußball-Experte Bastian Schweinsteiger nicht nur im Sommer aus Nordamerika die WM kommentieren wird, sondern seinen ARD-Vertrag weiter verlängerte. Bei den Olympischen Winterspielen im Februar wird nach dem Erfolg der Mediatheken-Doku-Serie "Being Katarina Witt" die Ex-Eiskunstläuferin als eine ARD-Expertin aktiv. "Wir haben die Rechte", konnte Balkausky überdies zur Handball-Europameisterschaft der Frauen Ende 2026 verkünden, nachdem es Ende 2025 Streit über zunächst nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragenen Spiele der Frauenhandball-WM gegeben hatte. Als fiktionale Höhepunkte annoncierte die ARD eine neue Serie über die über hundert Jahre alte Figur "Dr. Mabuse", die Keshet Fiction Germany, die deutsche Tochter einer israelischen Produktionsfirma, ab Sommer drehen wird. Kein Remake von Filmen einstiger Jahrzehnte, sondern einen "schnell erzählten, harten Cyberthriller" um gegenwärtige Themen wie Fake-News, versprach Regisseur Boris Kunz. Hauptrollen werden Friedrich Mücke, Tom Wlaschiha und Deleila Piasko spielen. Der Start der sechs 45-minütigen Folgen ist allerdings nicht vor Anfang kommenden Jahres zu erwarten. Bereits Ausschnitte konnten dafür aus "Friesenjunkies" gezeigt werden, einer turbulent humorigen "Impro-Dramedy" um eine luxuriöse Entzugsklinik auf Sylt. Die Serienmacher Emil und Oskar Belton, bekannt etwa durch ihre Amazon-Serie "Die Discounter", spielen selber mit, außerdem Martin Brambach, Peter Kurth, Marie-Lou Sellem und Sylvie Meis. Und auch das sei schon verraten: Otto Waalkes hat einen musikalischen Gastauftritt. Es handele sich ums hybride Genre der "Scripted Improvisation", berichtete der vom Dreh begeisterte Brambach. Auch künftig will die ARD monatlich mindestens eine spektakuläre Serie in ihrer Mediathek bieten. 2026 werden etwa die abschließende "Babylon Berlin"-Staffel, eine zweite Staffel von "Oderbruch" und mit "Seelendorf" mit Moritz Bleibtreu eine weitere Horrorserie zu sehen sein. Ohnehin stand der Abend weitgehend im Zeichen der Mediathek, um das lineare Programm ging es kaum. Nur auf Nachfrage war zu erfahren, dass etwa die Zahl der Sonntagskrimis sowie der 90-minütigen Fernsehfilme, die die ARD-Filmfirma Degeto freitags als romantisch orientierte Familienfilme und donnerstags als Krimis bietet, 2026 und 2027 mit jeweils rund 26 Produktionen im Jahr konstant bleiben soll.