Bonn (KNA Wer in der Kunst stilbildend ist, der muss damit leben, dass seine Werke Schule machen. So ist es auch bei Videospielen, wobei sich seit Jahrzehnten vor allem Nintendo als Ideengeber und Inspirationsquelle Nummer eins behauptet. Insbesondere die "The Legend of Zelda"-Reihe hat Generationen von Spielern und Entwicklern maßgeblich beeinflusst. Das gerade erschienene "Under the Island" macht keinen Hehl daraus, dass es in dieser Tradition steht. Wie in den Zelda-Spielen "A Link to the Past" und "Link's Awakening" schaut man schräg von oben auf eine Spielwelt, die Grafik ist pixelig wie bei Klassikern aus der so genannten 16-Bit-Ära. Eine große Nähe zu den Originalen ist ja auch kein Problem, wenn die Adaption selbst genügend neue Ansätze zu bieten hat. Und "Under the Island" gelingt es tatsächlich, so viel Charme und Ideen beizusteuern, dass sich das Spiel vor den Vorbildern nicht verstecken muss. Das fängt an mit der grundsympathischen Heldin Nia, die dankenswerterweise mal nicht aus dem Fantasy-Reich kommt, sondern ein ganz normales Mädchen ist. Zu ihrem Leidwesen ist Nia mit ihren Eltern auf die kleine Insel Seashell gezogen, die es nun zu erkunden gilt. Aber fern der Großstadt und ihren Freunden muss man doch vor Langeweile umkommen, oder? Wenn sie wüsste, welche Abenteuer in der neuen Heimat auf sie warten! Statt sich mit langem Vorgeplänkel aufzuhalten, legt "Under the Island" gleich richtig los, als Nia ihre Nachbarin mit dem schönen Namen Avocado kennenlernt. Prompt stellen sich mysteriöse Ereignisse ein, die Straßen werden von Riesenranken blockiert und feindselige Kreaturen wie Lauchmonster (!) und Maulwurfhunde treten auf den Plan. Doch davon lässt sich keiner der Insulaner ernsthaft aus der Ruhe bringen. Horror oder öde SciFi-Ballereien sind ebenfalls nicht zu befürchten. Stattdessen setzt sich Nia - das "magische Schwert" ist nämlich gerade "ausgeliehen" - mit einem schlichten Hockeyschläger und ihrer Cleverness zur Wehr. Daneben gilt es, Fundstücke wie eine kleine, Feuerbälle verschießende Pflanze so einzusetzen, dass man sich aus diversen scheinbar ausweglosen Situation befreien und die Story weitergehen kann. Dabei sind Beobachtungs- und Kombinationsgabe gefragt, mittels derer sich verblüffende Mechanismen in Gang setzen lassen. So entpuppt sich ein äußerlich normales Gewächshaus als Labyrinth mit unsichtbaren Brücken, vertrackten Schiebemechanismen und verborgenen Schätzen. Bald stellt sich heraus, dass die Insel nicht natürlichen Ursprungs ist und zu versinken droht - es sei denn, Nia und Avocado schaffen es, vier Zahnräder zu beschaffen, die irgendwo auf dem Eiland versteckt sind. Seinen Charme bezieht "Under the Island" aus der bunten Mischung aus innovativen Spielelementen, spaßigen Details wie diversen schrulligen Nachbarn und unzähligen anderen Kuriositäten. So muss die quirlige Heldin einen Theaterauftritt retten, indem sie dafür sorgt, dass das Publikum nicht zu früh in den Saal stürmt. Für Spieler ist das ein turbulenter Spaß und eine echte Herausforderung. Gerade die gelungene Mischung aus Alltäglichem und Fantastischem sorgt dafür, dass das Spiel daraus immer wieder überraschende Funken schlägt. "Under the Island" wurde vom deutschen Independent-Studio Slime King Games entwickelt und ist für PC, PS5 und Switch erschienen. Auf der Nintendo-Konsole wirkt es naturgemäß besonders stilecht. Die liebevolle Grafik macht sich auf dem Display im mobilen Modus ausgezeichnet, die Steuerung über die Joy-Cons funktioniert bestens. Da es auch abseits der Hauptgeschichte viel zu entdecken und zu tun gibt, vergehen die Spielstunden wie im Flug, wobei sich die Laune auf fast magische Weise aufhellt. Hersteller/Entwickler: Top Hat Games/Slime King Games, Deutschland Altersempfehlung: Das Spiel ist von der USK ab 12 Jahren freigegeben. Die Gewaltdarstellung ist moderat und kinderbuchhaft, Rätsel und Herausforderungen dürften ab etwa 10 Jahren zu bewältigen sein. Was nicht bedeutet, dass nicht auch Erwachsene daran Gefallen finden. Mehrspieler: nein Sprache: Deutsch Plattform: Windows PC, Nintendo Switch, Playstation 5 Preis: ca. 20 Euro Alternativen: "The Legend of Zelda: Link's Awakening" kennt so gut wie jeder gestandene Gamer. 1993 für den Game Boy erschienen, setzt es das zwei Jahre ältere "A Link to the Past" für Nintendos SNES-Konsole fort. Aus der Vogelperspektive steuert man den Helden Link, der nach einem Schiffbruch auf der Insel Cocolint gestrandet ist. Hier gilt es, die Umgebung zu erkunden, Kämpfe zu bestreiten und Rätsel zu lösen. "Link's Awakening" gibt es für rund 50 Euro als grafisch stark verbessertes Remake für die Switch-Konsole. So manches erfolgreiche Spiel ist aus der launigen Tüftelei eines Solo-Entwicklers entstanden, und so ist es auch bei diesem kleinen Juwel mit dem übersetzt etwas großspurigen Untertitel "Ruhm, Tod und Beute". Entwickelt hat es Rafael Weilharter, der unter dem Namen Hamma Studios firmiert. Das Spiel sei "eine Hommage an Zwerge, Chaos und den Spaß, Dinge einfach eskalieren zu lassen" und innerhalb von vier Jahren "aus schlaflosen Nächten, wilden Ideen und dem großartigem Feedback der Community entstanden". Der Spaß am Experimentieren stand dabei im Vordergrund, was man dem Spiel - im positiven Sinne - auch anmerkt. Das Berliner Startup Sidekick Publishing, das "Dwarves" veröffentlicht hat, ist fest in der Independent-Szene verankert und feiert mit "Dwarves" seinen ersten großen Hit. Um was es geht, ist eigentlich recht simpel, und doch gar nicht so einfach zu erklären. Man stellt eine Truppe aus Zwergen zusammen, die gegen eine Trollbande zu Felde zieht. Sobald man seine Söldner und deren Ausrüstung samt diverser magischer Gegenstände zusammengestellt hat, kann man dem chaotischen Treiben nur noch zusehen. Ist man erfolgreich, setzt man die Beute ein, um weiter aufzurüsten und sich schwierigeren Gegnern zu stellen. Der ersten Ernüchterung à la "Soll es das etwa gewesen sein?" folgen viele Stunden, in denen man weiter an Ausrüstung und Aufstellung feilt und gar nicht merkt, dass einen die wilden Zwerge längst am Haken haben und man einfach nicht mehr aufhören kann. Game-Infos: "Dwarves - Glory, Death and Loot", Sidekick Publishing / Hamma Studios für PC und Nintendo Switch (ca. 15 Euro) sowie iOS und Android (ca. 5 Euro), ab 12 Jahren