München (KNA) Die drei sind ein wahres Dream-Team: der Drehbuchautor Uli Brée, der Regisseur Dirk Kummer und die Hauptdarstellerin Adele Neuhauser. Gemeinsam haben sie die herrlich böse Komödie "Faltenfrei" über eine alternde Beauty-Queen und das wunderbar zarte Drama "Ungeschminkt" um die Selbstfindung einer Transfrau ins deutsche Fernsehen gezaubert. Nun gibt es mit "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks", ein neues Projekt des Trios. Mit den sexuellen Bedürfnissen älterer Frauen scheint dessen Thema ähnlich mutig zu sein wie die Geschlechtstransition in "Ungeschminkt". Und auch Ulrich Noethen ist wieder dabei, der schon im besagten Drama um die Suche nach der eigenen Identität so berührend an der Seite der stets überzeugenden Adele Neuhauser spielte. Beste Voraussetzungen also für ein weiteres TV-Highlight dieses Teams. Jedoch, mit Verlaub: Dieses Mal ist gehörig etwas schief gelaufen. Und zwar vor allem auf der Ebene des Buches. Der verehrte Uli Brée, der einst für Adele Neuhauser die Figur der "Tatort"-Kommissarin Bibi Fellner entwickelte und für Serienerfolge wie "Vier Frauen und ein Todesfall" oder "Vorstadtweiber" verantwortlich zeichnet, scheint diesmal nicht recht zu wissen, was er will. Auch Regisseur Dirk Kummer, sonst so präzise, hat dem offenbar nicht viel entgegen zu setzen und vermittelt hier angesichts großer dramaturgischer Lücken einen etwas unkonzentrierten Eindruck. "Makellos" findet einfach keinen klaren Ton. Denn für ein Ehedrama ist die Story um die sexuell frustrierte Münchner Trachtenunternehmerin Constanze (Neuhauser), deren Mann Anton (Noethen) mit Körperlichkeit und Sexualität schon lange abgeschlossen hat, zu wenig interessiert an seinen Figuren, zu wenig ernsthaft. Für einen Thriller - Constanze wird erpresst, nachdem sie sich mit dem deutlich jüngeren Callboy Ricardo (Manuel Rubey) eingelassen hat - bleibt es aber zu wenig spannend. Für eine Love story wiederum scheint die Beziehung zwischen der älteren Dame und dem 20 Jahre jüngeren Mann zu sehr Behauptung. Und für eine Groteske - "Makellos" schrammt mit seinen wüsten Wendungen und Überzeichnungen wiederholt nah an der Räuberpistole vorbei - wirkt das Ganze zu wenig konsequent. Stimmige Figuren hätten alle diese Elemente und Genres womöglich ein Stück weit verbinden können. Doch daran fehlt es. Die zunehmend hanebüchene Handlung entwickelt sich denn auch kaum aus den Charakteren der Protagonisten heraus. Am schwersten hat es in dieser Hinsicht Caroline Frank, die Constanzes (angebliche) beste Freundin Karin spielt - eine eindimensionale, inkonsistente Rolle, ein äußerst undankbarer Part. Aber auch die Glaubwürdigkeit der Beziehung zwischen Anton und Constanze leidet unter unmotivierten Wendungen, die offenbar zum reinen Zwecke des Story-Vorantreibens eingefügt wurden. Adele Neuhauser immerhin bekommt Raum zur Entfaltung und darf so den Schwächen von Buch und Regie zum Trotz zeigen, was sie kann. Noethen gibt an ihrer Seite maximal uneitel den bayrisch-verstockten Anton, wird aber vom Buch, das seiner Figur einiges an Behauptungen zumutet, leider ziemlich ausgebremst. Ohne Zweifel hat "Makellos" seine Momente: Wenn hier mit Constanze eine Frau "Ü 60" offen über ihre Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Berührungen sprechen darf, dann ist das für die öffentlich-rechtliche Primetime doch immer noch ziemlich revolutionär. Oder wenn die ganze Peinlichkeit des ersten Treffens mit dem Gigolo von Buch und Regie und erst recht von Adele Neuhauser spürbar gemacht wird, die die damit verbundene Unsicherheit und Nervosität ganz durchlässig spielt. Auch wenn ein unerwartetes Tänzchen zum Werkzeug des Widerstands wird, ist das ein schön-schräger Einfall. Allein: Diese Elemente wollen sich nicht zu einem runden Ganzen vereinen. Da helfen auch die gelungene Kamera und das überzeugende Szenenbild nicht. Ohne eine gute Vorlage ist beim Film eben alles nichts. Uli Brée möge die Kritik verzeihen: Das Lob für seine anderen Werke wäre wenig wert, wenn man an seinen neuesten Streich nicht dieselben Maßstäbe anlegen würde.