München (KNA) Man muss kein Mann sein, um sich wie ein Macho zu benehmen: Balbina kriegt das ebenfalls gut hin, ihrer Gattin dreist die gesamte Hausarbeit zu überlassen - schwingt dazu aber auch noch engagierte feministische Reden. Die Wiener Autorin, deren aktuelles Projekt eine gegenderte Version der Bibel ist, hat zu allem und jedem eine Meinung - meist keine gute. Vor allem, wenn es sich bei dem entsprechenden Objekt um einen Mann handelt. Schlimm also, als Tochter Hedwig einen solchen mit nach Hause bringt. Noch schlimmer, dass es sich dabei um einen Skilehrer aus Tirol handelt. Und am allerschlimmsten, dass die junge Frau ihn heiraten will. Weitere Eskalationsstufen - Andi wünscht sich eine kirchliche Hochzeit, Hedwig ist schwanger, und die in Tiroler Tracht gewandeten Eltern des Bräutigams in spe stehen später auch noch vor der Tür - sind da noch nicht einmal berücksichtigt. Außerdem hat Hedwig Edgar zum familiären Stelldichein eingeladen - mit einem schwulen Pfarrer, der sich einst pro forma zu Hedwigs Vater erklären ließ; die queer-feindliche Gesetzeslage machte es nötig. Balbina kann ihn, natürlich, nicht ausstehen. Dazu fließt reichlich Alkohol, was der Zuspitzung der Situation selbstverständlich Vorschub leistet. Es ist eine durchaus schrille Ausgangslage, auf der "So haben wir dich nicht erzogen" fußt - aber eine, die gut funktioniert. Das Erste strahlt die Zeitgeist-Komödie am Mittwoch, dem 18. März, von 20.15 bis 21.45 Uhr aus. Dass der von Drehbuch-Routinier Uli Brée geschriebene und von Michael Kreihsl in Szene gesetzte Film trotz der teils reichlich überzeichneten Figuren gelungen ist, liegt am flotten Buch mit seinen schnellen, klugen und vor keiner Gemeinheit zurückschreckenden Dialogen. An der routinierten und pointierten Inszenierung. Sowie, last but not least, den tollen Darstellern. Allen voran Brigitte Hobmeier: Sie ist fantastisch als widerständige, stolze, eloquente, aber zugleich auch unfassbar nervtötende, so dominante wie intolerante Balbina. Ihr offensichtlich großer Spaß an der Rolle überträgt sich auf die Zusehenden. Gerti Drassl als Balbinas Ehefrau steht Hobmeier allerdings in nichts nach: Sie gibt der aufopferungsvollen Inka trotz einer gewissen Gluckenhaftigkeit Würde und Eigenständigkeit, spielt die im Vergleich bodenständigere, aber auch nicht ganz Neurotizismen-freie Protagonistin durch und durch überzeugend. Alina Schaller als Hedwig macht ihre Sache ebenfalls sehr gut; wunderbar schillernd zudem Thomas Mraz in der Rolle des "Prellbocks" Edgar. Aber auch Andi (Julian Pichler), seine Eltern (Carmen Gratl und Roland Silbernagl) sowie der mit Balbina im Dauerclinch liegende "reaktionäre" Imbissbetreiber Toni (Wolfgang Böck) sind perfekt besetzt. Die Story des Films verweist auf das Hollywood-Drama "Guess who's coming to dinner" mit Katharine Hepburn, Sidyney Poitier und Spencer Tracy aus dem Jahr 1967, in dem eine weiße Frau den Eltern ihren afroamerikanischen Verlobten vorstellt. Brée und Kreihsl haben eine moderne Variante daraus gezimmert: Mit linken Schlagwörtern und woken Debatten rund um traditionelle Geschlechterrollen, patriarchale Ausbeutung, Queerness, Mansplaining, Male gaze und Co. - und mit reichlich schwarzem Humor. Der Film sei ein "Wagnis", sagt Brigitte Hobmeier im Pressematerial der ARD zum Film. Das könne auch "kippen und eine unfreiwillige Anklage werden". Recht hat sie, das Risiko war nicht klein. "So haben wir dich nicht erzogen" aber kippt erfreulicherweise nicht - dazu ist der Film zu sorgfältig gemacht, agieren sämtliche Beteiligte und Gewerke zu präzise. Balbina mit ihren dogmatischen, oftmals intoleranten Ansichten bleibt trotz allem ein Mensch - verletzlich und schließlich sogar lernfähig. Auch werden ihre Anliegen nicht dem Spott oder gar Verrat preisgegeben. Sie mag es in ihrem kämpferischen Impetus übertreiben. Aber eine Tatsache bleibt die bis ins Jahr 2026 andauernde strukturelle Benachteiligung von Frauen ja eben doch - selbst hier bei uns, im sogenannten aufgeklärten Westen.