Eiersammeln für Fortgeschrittene - Neuer "Monster Hunter"-Ableger macht Gamer zu Drachenhütern

Von Steffen Haubner (KNA)

GAMING - Das Videospiel "Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflections" hat ein raffiniertes Spielsystem, punktet aber vor allem mit meisterlicher Anime-Optik. In der Kurzkritik: Oceanhorn 3: Legend of the Shadow Sea.

| KNA Mediendienst

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"Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflections"

Foto: KNA/KNA

Bonn (KNA) Drachen nicht bekämpfen, sondern ihren Fortbestand sichern: Das ist der Grundgedanke des neuesten Ablegers der erfolgreichen japanischen "Monster Hunter"-Reihe, der für eine jüngere Zielgruppe konzipiert wurde. In dem von Jägern und Sammlern geprägten Fantasy-Mittelalter sind es bei "Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflections" so genannte Ranger, die das natürliche Gleichgewicht behüten sollen. Das wird von einer geheimnisvollen, zerstörerischen "Kristallisation" bedroht. Die Ranger bergen daher Monstereier, um den von Menschenhand aufgepäppelten Nachwuchs als Haus- und Reittiere, aber auch zur Unterstützung beim Erkunden und Kämpfen einzusetzen. Denn ganz ohne Scharmützel geht es in diesem Videospiel dann natürlich doch nicht ab: Einige der Drachenwesen stellen durchaus eine Bedrohung für ihre Umgebung dar und müssen in ihre Schranken gewiesen werden. Kommt es zur Konfrontation, läuft jedes Gefecht nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip ab. Die Angriffsarten "Kraft", "Technik" und "Geschwindigkeit" entscheiden über Erfolg und Misserfolg. Ganz so simpel ist es allerdings nicht. Denn auf dieser Basis entfaltet sich ein komplexes Kampfsystem, in dem es auf gute Vorbereitung, die richtige Taktik und gekonntes Teamwork ankommt. Während das Original vor allem auf Echtzeit-Action setzt, ist "Monster Hunter Stories 3" ein rundenbasiertes Role Playing Game. Deren japanische Spielart, kurz JRPG genannt, wird hier einfallsreich erweitert. Das führt zu einigermaßen vertrackten Mechanismen, die einen zunächst überfordern können, an die man im Verlauf des Geschehens aber gut herangeführt wird. Zudem bügeln die KI-gesteuerten Begleiter manch eigene Fehler gekonnt aus. Für Motivation sorgt zudem die grafische Gestaltung des Epos, die sich als interaktives Kunstwerk erweist. Im Stile eines Anime, der an die Werke des legendären Studio Ghibli ("Prinzessin Mononoke", "Der Junge und der Reiher") erinnert, wird eine vermeintlich einfache, aber mit allerlei aktuellen Bezügen versehene Geschichte erzählt. Vor dem Hintergrund einer die Welt bedrohenden Umweltzerstörung zieht ein Konflikt zwischen benachbarten Reichen herauf, den es abzuwenden gilt. Die meisterhaft inszenierten Zwischensequenzen animieren zum Weiterspielen. Zur DNA der Reihe gehört, dass es überall unendlich viel zu entdecken und zu tun gibt. Rohstoffe sammeln, Nahrung zubereiten, Waffen schmieden, gemeinsame Expeditionen starten, Schätze heben - das alles geschieht in einer magischen Umgebung voller Wunder und optischer Highlights, die einen in das Geschehen hineinzieht. Dazu trägt auch bei, dass man das Spielerlebnis von Anfang an aktiv mitgestaltet. Das reicht vom Aussehen des Helden oder wahlweise der Heldin bis hin zur Besiedlung von "Habitat-Restaurationen", in denen man die eigenhändig aufgezogenen Monsternachkommen freilässt. In einem Part namens "Chronik der Überlieferung" kann man sich sogar dem Züchten neuer Spezies widmen. So wirken nicht nur die oft langatmigen Dialoge, sondern auch das Spiel selbst bisweilen leicht überladen. Ob man sich nun auf die Haupthandlung konzentriert, optionalen Erzählsträngen folgt oder sich den zahlreichen Nebenbeschäftigungen widmet, bleibt einem aber selbst überlassen. Überhaupt sind die Entwickler sichtlich bemüht, Frustmomente zu vermeiden. Trotz des komplexen Spielsystems bleibt der Schwierigkeitsgrad moderat, die Speicherpunkte sind fair gesetzt, und nie muss man befürchten, bereits Erarbeitetes durch ein plötzliches "Game Over" zu verlieren. Hersteller/Entwickler: Capcom Altersempfehlung: Das Spiel ist von der USK ab 12 Jahren freigegeben. Die Gewaltdarstellung ist moderat und richtet sich primär gegen comichafte Fantasie-Dinosaurier. Trotzdem kann das komplexe Geschehen jüngere Spieler schnell überfordern. Mehrspieler: nein Sprache: Englisch/Japanisch mit deutschen Untertiteln Plattform: Windows PC, Nintendo Switch 2, Playstation 5 Preis: ca. 70 Euro Alternativen: Die "Monster Hunter"-Reihe hat mittlerweile unzählige Teile und Ableger. Das erste mit dem Zusatz "Stories" versehene Spin-off erschien exklusiv für die mobile Konsole Nintendo 3DS, der zweite Teil mit dem Zusatz "Wings of Ruin" ist für Windows-PC, Nintendo Switch PS4 und Xbox One erschienen und noch immer erhältlich. Der neueste Teil der "Oceanhorn"-Reihe spielt 1.000 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers und führt direkt aufs titelgebende Schattenmeer. Dort kämpft man gegen die Naturgewalten und mächtige Titanen und löst mehr oder weniger komplexe Rätsel. Die abenteuerliche Seereise in eine düstere, aber faszinierende Welt voller Fantasy-Elemente, Ruinen und technischer Relikte ist ein visuelles Highlight, das einen immer wieder staunen lässt, dass so etwas auf iPhone und iPad überhaupt möglich ist. Das finnische Studio hat fünf Jahre Entwicklungszeit investiert, um ein echtes Konsolen-Erlebnis auf die iOS-Plattformen zu bringen. Die Steuerung per Touchscreen geht so intuitiv und locker von der Hand, dass man einen Controller so gut wie gar nicht vermisst. Das liegt am ausgeklügelten neuen Kampfsystem und der individuell anpassbaren Touchscreen-Steuerung. Es gibt "Quick Skill Slots" für den Schnellzugriff und ein "Skill Drawer"-Menü, in dem sich alle Fähigkeiten befinden, die in ersterem keinen Platz mehr gefunden haben. Beim Auswählen wird das Spielgeschehen stark verlangsamt, was einem in heiklen Situationen mehr Raum für taktische Entscheidungen verschafft. Segeln bleibt ein wichtiger Bestandteil des Spiels: Man entdeckt verborgene Inseln, taucht nach Schätzen und muss sich auf See allerlei Gefahren stellen. So ist "Oceanhorn 3: Legend of the Shadow Sea" ein toller Begleiter, der das Reiseabenteuer schon beginnen lässt, während man noch am Bahnhof oder Flughafen wartet, aber auch ein Mittel gegen Fernweh, wenn man zuhause bleiben muss. Game-Infos: "Oceanhorn 3: Legend of the Shadow Sea", Apple/Cornfox & Brothers, empfohlen ab 9 Jahren, für iPhone, iPad, Mac, Apple TV und Apple Vision Pro, kostenlos im Rahmen eines Apple-Arcade-Abos.

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