Es könnte gerne ewig so weitergehen - Letzter Münchner "Tatort" mit Batic und Leitmayr

Von Katharina Zeckau (KNA)

KRIMI - 100 Filme in 35 Jahren: Kein anderes "Tatort"-Team hat so viele Fälle gelöst wie Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl alias Ivo Batic und Franz Leitmayr. Eine starke Abschieds-Doppelfolge lässt die Fans untröstlich zurück.

| KNA Mediendienst

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"Tatort: Unvergänglich"

Foto: Hendrik Heiden/NEUESUPER GmbH/BR/KNA

München (KNA) "Wir arbeiten bis zum Schluss. Und wenn dann Schluss ist - dann ist Schluss!" So verkündet es Ivo Batic zu Beginn dieses Falls. Ganz so konsequent sind die Münchner Kommissare in ihrem letzten "Tatort" dann allerdings nicht. In der Doppelfolge "Unvergänglich", die das Erste am Ostersonntag und -montag (5. und 6. April) von jeweils 20.15 bis 21.45 Uhr ausstrahlt, ermitteln die beiden nämlich einfach weiter - aus dem Ruhestand heraus. Und, was soll man sagen: Aus Publikumssicht könnte das gerne ewig so weitergehen. Denn die zwei Filme mit dem wuchtigen Titel "Unvergänglich" fahren nochmal alles auf, was so bestechend war an den Krimis dieses Duos. Ein so lässiges wie erfahrenes, sich gerne mal kabbelndes Ermittlerteam, das, wunderbar beiläufig gespielt, echte, gelebte Beziehung transportiert. Eine spannende, relevante Story, stimmige Dialoge, feiner Humor. Hinzu kommt zarte Nostalgie, der Wind des Abschieds, der mehr oder weniger dezent durch die zwei Filme weht. Der aber, typisch für dieses Team, stets durch Nüchternheit und trockenen Witz gebrochen wird. Dazu die Stadt München als dritte Hauptdarstellerin, die zum Abschied ein wenig mehr glänzen darf als sonst - eine geschleckte Traummetropole war die bayrische Landeshauptstadt im Batic-Leitmayr-"Tatort" ohnehin nie. Zentrale Orte dienen noch einmal als Schauplätze: Großmarkt, Friedensengel, Englischer Garten, Marienplatz, die Isarbrücken oder das BR-Funkhaus. Natürlich beginnt alles mit einer Leiche, dem verbrannten Körper einer jungen Frau. Nur vier Tage haben Batic und Leitmayr noch bis zur Rente. Dass sie den Fall bis dahin lösen, darauf wetten sie mit dem Kollegen und Nachfolger Kalli (Ferdinand Hofer). Hilfe bekommen sie von ihrer früheren Kollegin, der Fallanalytikerin Christine Lerch, gespielt von Lisa Wagner - die hier ebenso wie der langjährige Kollege Carlo Menzinger (Michael Fitz) einen schönen Gastauftritt hat. Das Mordopfer wird schließlich als Micaela Horvat, Vertreterin für Reinigungsprodukte, identifiziert. Ihr Tod scheint mit der Wohnungsplattform zu tun zu haben, über die sie regelmäßig in München abstieg. So jagen die Ermittler bald ein "Phantom", das Zugang zu unzähligen Bed-and-Breakfast-Unterkünften in der Stadt hat. Und treffen in einem der Apartments auf die junge, drogenabhängige Kara (Lara Feith). Sie und Mike (Daniel Noel Fleischmann), der Mann mit den vielen Schlüsseln, wuchsen einst bei denselben Pflegeeltern auf, leben am Rande der Gesellschaft. Doch in welchem Verhältnis standen sie zu Micaela Horvat? Als es zum blutigen Showdown kommt, scheint der Fall rund um Captagon-Sucht und Wohnungsnot tatsächlich pünktlich zu Batics und Leitmayrs Dienstende geklärt zu sein. Soweit zumindest der Stand am Ende des ersten Teils, an dem die zwei mit einem missratenen Kuchen und dürren Worten der Ministerin maximal unpathetisch in den Ruhestand geschickt werden. Doch dann hinterlässt Kara eine verzweifelte Nachricht auf Leitmayrs Mailbox, woraufhin der den zwischenzeitlich nach Kroatien ausgewanderten Batic reaktiviert. Und so begeben sich die Neu-Rentner - ganz ohne Dienstausweis und -waffe, dafür selbst mit einer gewissen kriminellen Energie ausgestattet -, ins Gefecht mit dem organisierten Verbrechen, das nun auf den Plan tritt... Einen so fesselnden Krimi wie stimmig-eleganten Abschluss für die altgedienten Kommissare haben Johanna Thalmann und Moritz Binder hier geschrieben. Regisseur Sven Bohse wiederum hat das Ganze äußerst souverän in Szene gesetzt; mitreißend, wehmütig, humorvoll, atmosphärisch und nicht zuletzt auch bildnerisch-filmisch sehr stark (Kamera: Michael Schreitel). Doch all dies wäre wenig bis nichts ohne die fantastischen Hauptdarsteller. Große Fußstapfen hinterlässt dieses Duo, das über die Jahrzehnte irgendwie auch phänotypisch immer mehr eine Einheit bildete, und einen gehörigen Abschiedsschmerz - den, so ahnt man, ihre Nachfolger nicht so ganz schnell werden auflösen können.

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