Die Macht der Kim-Dynastie - ZDF setzt Doku-Serie über Nordkorea fort

Von Joachim Huber (KNA)

DOKU - Das ZDF beleuchtet Nordkoreas Regime zwischen Propaganda, Machtpolitik und neuen Allianzen. Die zwei Dokus zeigen, wie die Diktatur von Kim Jong-un ihre Stärke sichert und ihre Zukunft strategisch vorbereitet.

| KNA Mediendienst

alt

"Die Macht der Kim-Dynastie: Propaganda für die Diktatur"

Foto: Hikari Production/ZDF/KNA

Berlin (KNA) Das Zweite Deutsche Fernsehen denkt gern dynastisch. Die britischen Royals werden hautnah begleitet bei Thronfolge, Begräbnissen und sexuellen Eskapaden ihrer Zunft. Aber auch die Kims aus Nordkorea wurden vom ZDF nicht vergessen. 2023 gab es schon zwei Folgen "Nordkorea - Die Macht der Kim-Dynastie", jetzt folgen zwei weitere: "Im Bündnis mit China und Russland" und "Propaganda für die Diktatur" (ZDF-Mediathek ab 6. April, linear auf ZDFinfo, 20. April, 21.45 und 22.30 Uhr). Von Nordkorea geht unverändert eine große Faszination aus. Ein kleines Land in Ostasien, eingekapselt in Selbstisolation, absurd inszeniert in gewaltigen Militärparaden und einem kniefälligen Heldenkult für den "Obersten Führer" Kim Jong-un - aber geopolitisch immer wieder im Mittelpunkt globalen Interesses. Neue internationale Stärke sowie gesicherte Macht nach innen und außen hat das Land durch ein ehrgeiziges Atomprogramm gewonnen, das die USA mit transkontinentalen Raketen erreichen könnte. Als Folge von Propaganda und militärischem Muskelspiel kam es 2018 und 2019 zu Treffen zwischen Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump - ein großer Triumph für das Regime, das international so enorm an Ansehen gewonnen hat. Mit Archivmaterial, Analysen internationaler Experten aus Südkorea, den USA und mit dem ehemaligen deutschen Botschafter Thomas Schäfer, mit ausführlichen Filmzitaten der aufwendigen Feier- und Heldenkulte schaffen die jeweils 45 Minuten spannende Einblicke in die Erbdiktatur - und Ausblicke darüber hinaus. Beide Filme stammen wie schon die Beiträge der ersten Staffel von Minju Song. Sie ist eine französisch-südkoreanische Autorin und Regisseurin. In Frankreich wurde die Dokumentation unter dem Titel "La Revanche des Kim" für den Sender T18 produziert und mit Filmförderung unterstützt. ZDFinfo ist nach Senderangaben vertraglich im Rahmen eines Presales eingebunden, für die deutsche Fassung wurden zusätzliches Material und Interviewpartner ergänzt. Im ersten Teil wird ausführlich gezeigt, wie sich das Regime durch die Entsendung tausender Soldaten, die an der Seite Russlands im Ukrainekrieg kämpfen, militärisches Know-How, Devisen und Zugang zu neuer Militärtechnologie verschafft. Der massenhafte Tod der jungen, kampfunerfahrenen Soldaten wird vom Staatsfernsehen derweil zu einer pompösen Trauerfeier genutzt, bei der Witwen und Kinder vom großen Führer getröstet und finanziell "belohnt" werden. Weitere Sequenzen zeigen das Treffen autokratischer Herrscher in China im Jahr 2025, darunter neben Kim Jong-un auch Russlands Präsident Putin, die sich als Allianz gegen den Westen verstehen. Solche Bilder illustrieren, in welch günstiger strategischer Lage sich Nordkorea befindet, wie gefestigt die Kim-Dynastie erscheint. Was auch daran liegt, dass es gelungen zu sein scheint, die früheren Hungersnöte und grassierende Armut zu beenden und eine Phase wachsenden Wohlstandes mit neuer Mittelschicht und dem Urlaubsparadies Wonsan für Funktionäre und Eliten einzuläuten. All das wäre nicht so sichtbar, wenn die allgegenwärtige Propaganda, namentlich das Staatsfernsehen, dieses Image eines so kampfbereiten wie glücklichen Volkes nicht pausenlos herausposaunen würde. Und dieses Bild darf keinesfalls getrübt werden. Selbst wenn Journalisten und Youtuber aus dem Ausland nach Nordkorea kommen können, bleiben die Begegnungen und Gespräche mit Nordkoreanern gelenkt und gefiltert. Was der Mann, die Frau auf der Straße wirklich denkt, bleibt eine Blackbox - wie das gesamte Land, aus dem dank ausgeklügelter Grenzsicherung nur noch wenige Menschen in das andere Korea im Süden fliehen können. Dieses Südkorea wird wiederum vom Norden als verweichlicht und unter US-amerikanischer Knute präsentiert, bleibt aber zugleich Projektionsraum der unerfüllten Wünsche vieler Nordkoreaner. Die TV-Serien, K-Pop, eigentlich alles rund um das Entertainment-Angebot des feindlichen Nachbarn, wird geschätzt. Aufnahmen eines Schauprozesses im nordkoreanischen Staatsfernsehen zeigen, wie Jugendliche, die Serien aus Südkorea ins Land geschmuggelt haben, zu zwölf Jahren Haft verurteilt werden. Dabei besagen haufenweise Gerüchte, dass Kim Jong-un dieser Unterhaltung selbst sehr zugeneigt sei. Auch die beiden neuen Folgen zur Macht der Kim-Dynastie wollen zuallererst dokumentieren und informieren über ein Land, das sich so merkwürdig einzigartig und so einzigartig merkwürdig darstellt. Dabei ist die Lage brisanter geworden: Ex-Botschafter Thomas Schäfer sagt, dass Nordkorea seine taktischen Atomwaffen für einen Schlag gegen Südkorea ausrichte, also Kontrolle über den Nachbarn anstrebe. Denn Südkorea werde mittlerweile für einen schwachen Gegner gehalten, der auch nicht mehr wie früher auf die unbedingte Unterstützung der USA zählen könne. Und die Prognose der Experten ist eindeutig: Das wird so bleiben, die Kim-Dynastie scheint auf weitere Jahrzehnte gesichert. Immer häufiger zeigt sich Nordkoreas Diktator mit seiner Tochter Kim Ju Ae in der Öffentlichkeit. Dies wird einerseits als Versuch von Kim Jong-un gedeutet, nahbarer und menschlicher zu erscheinen - gilt aber auch als Beleg für die angestrebte Thronfolge, auch wenn der "Oberste Führer" erst 42 Lenze zählt. Weitere Staffeln der Berichterstattung über die Kim-Dynastie scheinen damit unausweichlich.

Lesen Sie weiter auf www.KNA-News.de