Krieg um Aufmerksamkeit - RTL-Soap "GZSZ" zeigt im 34. Jahr so viel Drama wie nie zuvor

Von Manuel Weis (KNA)

SERIE - Schon im Titel verspricht die RTL-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", das Publikum durch Höhen und Tiefen zu führen. In dieser Woche wird es so dramatisch wie schon lange nicht mehr. Grund dafür ist auch die moderne Medienwelt.

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"GZSZ"

Foto: Anna Riedel/RTL/KNA

Köln (KNA) Wer hat Zoe Vogt ermordet? Das ist eine Frage, die so oder in ähnlicher Form sonntagabends im Ersten beim "Tatort" gestellt werden könnte. Wird sie aber nicht. Sie stellt sich ungewöhnlicherweise in den kommenden Wochen bei Deutschlands dienstältester Daily-Drama-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" (GZSZ). Ein Mord an einer "GZSZ"-Hauptfigur: Das kommt in der Tat nur sehr selten vor. Insofern ist Folge 8.506, die RTL am Mittwoch zeigt, durchaus ein Meilenstein der Produktion von UFA Serial Drama. Sie schildert das Ableben von Zoe (gespielt von Lara Dandelion Seibert), die als Serienkillerin in Folge 7.781 für wenige Monate einstieg und nach einer rund halbjährigen Pause kurz vor Folge 8.000 in die Serie zurückkehrte. Die Geschichte rund um Zoe, die kleine Tochter Clara, die sie zusammen mit John hat, und all der Wirbel rund um das gemeinsame Sorgerecht war seit vergangenem Sommer einer der sogenannten "Anker" der Serie. Jetzt, in Folge 8.506, liegt die "GZSZ"-Antagonistin plötzlich tot in ihrem eigenen Blut - und zahlreiche Figuren haben ein Motiv. "Noch nie haben wir so ein klassisches WhoDunit erzählt, bei dem weder die Zuschauenden noch unsere Charaktere wissen, wer der oder die Mörder:in ist", sagt Katja Bäuerle. Sie ist seit rund eineinhalb Jahren Produzentin von "GZSZ", erst auf Interimsbasis und seit vergangenem Herbst ganz offiziell. Bäuerle, die zuvor als Producerin unter anderem für UFA-Produktionen wie "Hinter Gittern", "Alles was zählt" oder "Unter uns" tätig war und international Erfahrungen bei der australischen Serie "Neighbours" sammelte, spricht im KNA-Gespräch offen darüber, dass und wie sich der RTL-Dauerbrenner verändert. Diesen Mai feiert "GZSZ" 34. Geburtstag. Das heißt auch: Im kommenden Jahr wird die RTL-Serie älter sein als die ARD-"Lindenstraße" bei ihrer letzten Folge. "Ich glaube daran, dass unser Storytelling im Jahr 35 ein bisschen Bigger Than Life sein muss, noch mehr Drama, noch mehr emotionale Komplexität, noch größere Intrigen und Love-Storys",sagt Bäuerle. Gleichzeitig werde die Produktion "trotzdem unseren Charakteren treu bleiben, unsere Welt wiederkennbar erhalten und auch bewegende, unterhaltsame und uplifting Geschichten erzählen". Schon vor Wochen hatte Bäuerle darüber gesprochen, dass man bei "GZSZ" derzeit auch an den Szenenlängen schraube - und mal längere und mal kürzere Versionen probiere. Für Schlagzeilen sorgte auch die Info, dass "GZSZ" verstärkt mit KI arbeitet - weil der Computer szenische Hintergründe bauen könne, sodass such auch von Orten erzählen kann, an denen man so leicht keine Drehgenehmigung bekäme. Wie sehr sich "GZSZ" wirklich verändert hat, ist dabei eine Frage des Blickwinkels: "Morde, Todesfälle, Geiselnahmen und Bombendrohungen gab es schon immer bei 'GZSZ', das gehört zum Markenkern - genauso wie Liebe, Familie, Freundschaft und Comedy", sagt Bäuerle. Und doch hat man den Eindruck, dass "GZSZ" die Dichte an schweren Stoffen, an großen Intrigen und eben auch blutigen Momenten, erhöht hat. "Vielleicht entsteht dieser Eindruck, weil die Schlagzahl etwas zugenommen hat und wir das Drama aktuell für RTL in den Highlight-Wochen noch ein kleines bisschen höherschrauben", meint Bäuerle und ergänzt: "Wir agieren in einer sich verändernden Medienwelt, einem 'War of Attention', und das hat auch Konsequenzen für unser Storytelling." Man könnte es so deuten: In der modernen Medienwelt fällt der besonders auf, dessen Geschichten immer wieder auch für Schock-Momente sorgen - und so Schlagzeilen produzieren. Schon jetzt hat die PR-Abteilung von "GZSZ" versprochen, dass die Auflösung des Mordfalls im Sommer "alles verändern" und das Publikum "schockieren" werde. "Uns beschäftigt heute vielmehr die Vielfalt der Konkurrenz als die Plattform, auf der unsere Zuschauer:innen uns verfolgen. Wir stehen im Kampf um die Aufmerksamkeit mit TV- und Streamingformaten, Youtube oder Social Media, wo oft kürzer, zugespitzter und genrelastiger erzählt wird", sagt Bäuerle. Sie spricht vom Ziel, "immer mit packenden Storys zu unterhalten, über einen dramatischen Cliff auf die nächste Folge neugierig zu machen und dabei weiter vertrauter und geliebter Ort zu bleiben". Und das gelte, egal wann und wo man diesen betritt - "ob um 19.40 Uhr bei RTL oder jederzeit auf RTL+" im Stream, so Bäuerlein. Ein Ziel, das mit durchaus schmerzlichen Entscheidungen einhergeht - wie eben der, dass die durchaus spektakuläre Rolle der Zoe bald aus dem "GZSZ-Kosmos verschwindet. "Schweren Herzens" habe man sich dafür entschieden - und auch, um Zoe treu zu bleiben, sagt die Produzentin. Denn eine "so extreme Figur, eine Ex-Agentin und Auftragskillerin", hätte "nicht für immer ein normales Leben mit Hochs und Tiefs im Berliner 'GZSZ'-Kiez führen" können: "Wir hätten sie langfristig domestizieren müssen, und damit die Figur verraten, die wir so sorgfältig entwickelt haben und die Lara zu so einem besonderen Charakter gemacht hat. Also haben wir entschieden, sie so gehen zu lassen, wie sie eingestiegen ist, mit einem Knall, der Auswirkungen hat auf viele Figuren: Ein Mord - viele Verdächtige." Neben der klassischen Mordermittlung - die Polizeiarbeit wird in den kommenden Wochen einen beträchtlichen Teil der Handlung einnehmen - setzt man auch auf leichter verdauliche Geschichten. In aller Regel werden pro "GZSZ"-Folge ja drei Geschichten parallel erzählt. So soll es nach RTL-Angaben rund um Jo Gerner, Yvonne und Michi "bewegend" werden und auch das Liebes-Dreieck um Toni, Erik und Matilda geht in eine weitere Stufe. Das Drama geht "GZSZ" also auch im 35. Jahr nicht aus - wenngleich die von außen gestellten Anforderungen 2026 zweifelsfrei andere sind als Mitte der 90er.

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