Bomberjacke statt Blümchenkleid - Mit der Thrillerserie "Save me" will Viaplay den deutschen Markt erobern

Von Jan Freitag (KNA)

SERIE - Mit "Save Me" vollendet die schwedische Streaming-Plattform Viaplay ihre Serienoffensive auf dem deutschen Markt. Dabei stammt der Thriller um einen Serienkiller aus Griechenland und spielt auch dort.

| KNA Mediendienst

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"Save me"

Foto: Viaplay/KNA

Hamburg (KNA) Despina Loukidis ist eigentlich keine Frau, die sich von Männern kleinhalten lässt. Eher Typ Bomberjacke als Blümchenkleid, verfügt die Kriminalkommissarin schließlich seit Kindheitstagen über Durchsetzungsstärke mit Hang zur Ellbogenmentalität. Das belegen diverse Rückblenden in ihre Jugend - allerdings erst, nachdem sie zu Beginn der Viaplay-Serie "Save Me" von Männern kleingehalten wird. Als ein Tatverdächtiger, den die Polizistin auf seiner Flucht entkommen lässt, von ihrem Kollegen überwältigt wird, bezeichnet er sie als "sehr gute Flügelfrau". Ein vergiftetes Lob, das früh zum Ausdruck bringt, wie Regisseur Pierros Andrakakos hier nach eigenem Drehbuch Geschlechterklischees reproduziert. Unmittelbar vor der Razzia nämlich sieht man eine halbnackte Frau, die irgendwo angekettet um Gnade fleht. Gleich nach der missglückten Verbrecherjagd liegt dieselbe Frau ohne Kleidung - und Augen - tot am Strand. Im Anschluss dann zoomt die Kamera von Despinas Beinen hoch zum Kopf und setzt sie anschließend aufs Klo, wo ihr Slip gut im Bild auf Kniehöhe hängt. Ach ja, zwei Schnitte zuvor sah man die nächste Frau ohne Klamotten. Beim Sex. Die ersten zehn Minuten des griechischen Achtteilers zeigen sein weibliches Personal also ausnahmslos in ungeschützter, dekorativer, gedemütigter Pose. "Objektifizierung" heißt diese Art der Präsentation handlungsunfähiger Figuren, und es sind selten männliche. "Save Me" ließe sich daher spielend in die lange Ahnenreihe misogyner Serien und Filme einsortieren, die Frauen als schmückendes Beiwerk überlegener Kerle zeigen. Aber da hätte man die Rechnung ohne Elena Mavridou gemacht. Mavridou spielt ihre Hauptrolle als ausgesprochen kantige Polizistin eines ausgesprochen weiblichen Ensembles. Während der ortsansässige Kommissar Strati (Ektor Liatsos) eher im Hintergrund agiert, wurde Despina Loukidis aus Thessaloniki nach Komotini delegiert, um dort einen Serienkiller zu jagen. Dabei trifft sie auf Nikol (Danai Skiadi) - eine ähnlich resolute Bildhauerin, die wegen eines Trauerfalls auch in Komotini ist und es nun mit Despina zu tun kriegt. Ausgerechnet. Denn von der wurde sie 20 Jahre zuvor übel wegen ihres schweren Asthmas gemobbt. Jetzt aber, wo beide unfreiwillig in ihre Heimatstadt zurückgekehrt sind, geraten sie in denselben Schlamassel. Despina, weil sich bei ihr die Geister eines leidlich verdrängten Kindheitstraumas melden. Nikol, weil ihre kleine Schwester Alkistis (Lila Baklesi) womöglich das dritte Opfer des Ritualmörders geworden ist. Der Täter tötet zudem inmitten der griechischen Migrationskrise, und Despina ermittelt daher nicht nur im Rot- und Blaulichtmilieu, sondern in einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft zwischen Populismus, Machtmissbrauch, Hilfsbereitschaft und Korruption. Weil Showrunner Andrakakos die Kulissen obendrein in ein dauertrübes Licht taucht, unter dem praktisch niemand je lächelt, geschweige denn lacht, verpasst Viaplay dem Thriller das Label "Mediterranean Noir". Eine Mittelmeer-Variante skandinavischer Krimis, mit ebenso drastischen Delikten vor dem Grauschleier übellauniger Kommissare. Und dann ist Despina auch noch spielsüchtig. Verglichen mit dem azurblauen Katalogbild griechischer Urlaubsorte hat "Save Me" daher gleich mehrere Alleinstellungsmerkmale. Dennoch reproduziert die Serie fiktionale Stereotypen. Heimkehrende Ermittlerinnen, aufdringliche Journalisten, allmächtige Patriarchen, rituelles Töten, disruptive Sippen, flatternde Augen, raunender Sound - das ist alles schon tausendfach fernseherprobt. Weil es um Migration geht, fliegt die Kameradrohne bei jeder Gelegenheit über eine Moschee hinweg. Ach ja, und ein Pädophilenring kommt natürlich auch noch vor. In der anschwellenden Aufmerksamkeitsökonomie folgen Krimi-Serien halt längst einer surrealen Steigerungslogik. Dass "Save Me" dennoch sehenswert ist, liegt an der verblüffenden Präsenz des weiblichen Casts - zumindest, wenn man nicht die synchronisierte Fassung schaut. Denn erst das griechische Original verleiht ihm die nötige Dringlichkeit. Dabei ist Viaplays Arbeitssprache üblicherweise Schwedisch. Die Streaming-Plattform mit Sitz in Stockholm produziert sonst nahezu ausnahmslos skandinavische Serien. Und obwohl die auch hierzulande äußerst beliebt sind, läuft Viaplay tief unterm Radar anderer Streamer wie Netflix, Disney, Amazon, oder Apple. In Deutschland ist das Angebot für monatlich 4,99 Euro bei Amazon Prime zubuchbar. Das aber könnte sich jetzt ändern. Allein diesen Juni startet Viaplay jeden Montag eine Serie in deutscher Fassung. Den Beginn machte der achtteilige Politthriller "The Circle", gefolgt vom dokumentarischen Fußballkommerzvierteiler "Sport vs. Money" und dem quietschbunten Gleichberechtigungshistorytainment "Sisters 1968". Mit "Save Me" schließt die Viaplay-Offensive jetzt ab.

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