Berlin (KNA) Was haben Hunde, die Spuren vermisster Menschen sogar im Wasser wittern, fliegende Kameradrohnen, ein "DNA-Ahnenforscher", ehrenamtlich engagierte englische Reiter und umherrsurrende Fliegen gemeinsam? Sie alle helfen der Polizei bei ihrer schweren Arbeit – zumindest, wenn es nach dem dokumentarischen ZDF-Zweiteiler "Verstärkung für die Polizei" aus der Reihe "plan b" geht. Mit überzeugenden Argumenten, wie dem, dass Personalmangel eines der größten Probleme der Polizei darstellt, "tausende Stellen unbesetzt" bleiben und daher wichtige Arbeit "durch KI, wissenschaftliche Fortschritte und die Schwarmintelligenz von Bürgerinnen und Bürgern" zu erledigen versucht wird, macht die Ankündigung gespannt. Allerdings wird dann in insgesamt neunzig Minuten ein arges internationales Sammelsurium zusammenmontiert. Leidlich interessant sind dabei die an deutschen Drehorten gefilmten Kurzreportagen. So sucht eine als Verein organisierte Hundestaffel im Starnberger See nach der Leiche eines beim Baden ertrunkenen Studenten. Erstaunlicherweise können die Hunde, zumindest manchmal, sogar auf dem Wasser solche Spuren verfolgen. In einem Wald am Main wird später am Beispiel eines Schweins dargestellt, wie Fliegen, die sich an toten Körpern tummeln, Informationen etwa über den mutmaßlichen Todeszeitpunkt speichern. Am Beispiel einer bereits mumifizierten Leiche wird anschließend geschildert, wie Insektenkunde sich forensisch nutzen lässt. Wie der lineare Sendeplatz am Sonntagnachmittag vermuten lässt, werden die Leichen nicht gezeigt. Doch ein paar, hier mal nicht über fiktionale Krimi-Handlungen vermittelte Informationen zur Polizeiarbeit kommen so schon zusammen. Das Erzählprinzip besteht darin, im Fünf-Minuten-Rhythmus von einem Drehort zum nächsten zu wechseln – nur verbunden durch den Offkommentar mit konsequent affirmativem Tonfall und durch das Audiodesign. Das schafft zumindest eine gewisse Spannung, wie es in den einmal verlassenen Erzählsträngen weitergehen wird. Vom Starnberger See springt der Film also umstandslos in den US-amerikanischen Bundesstaat Georgia. Als "fliegende Hilfssheriffs" filmen Drohnen in der Stadt Brookhaven etwa Autos, bevor und während Polizisten deren Insassen kontrollieren. Angeblich würden sie die Beamten sogar warnen, falls die zu Kontrollierenden eine Waffe ziehen. Das verwendete Bildmaterial wirkt geradezu wie angekauft, die deutsche Produktion habe aber selber in den USA gefilmt, teilt das ZDF auf Nachfrage mit. Allerdings mangelt es an Distanz: Die Art, wie etwa die drohnengefilmte Flucht und polizeiliche Verfolgung eines rudimentär anonymisierten Einbrechers gezeigt werden, entspricht eher nicht deutschen Darstellungsformen. Und dass die Polizei in den USA andere Befugnisse besitzt als in Europa, ließe sich thematisieren, auch ohne auf aktuelle transatlantische Streitigkeiten und die Debatte um polizeiliche Behörden wie die Einwanderungsbehörde ICE einzugehen. Wenn dann wiederum in Deutschland Wissenschaftler der Ostfalia-Hochschule in Wolfenbüttel "Haushaltsgeräte als stille Zeugen im Dienst von Ermittlungen" beschreiben, weil sich aus "smarten" Geräten hinterher Informationen zu Einbrüchen auslesen lassen, müssen Probleme des Datenabflusses sicher nicht unbedingt erwähnt werden. Aber darauf, dass smarte Geräte, wenn sie schlecht gesichert sind und gehackt werden, Einbrechern sogar in die Hände spielen, weisen andere Berichte zum Thema durchaus hin. Weitere internationale Erzählstränge gelten im Gestus des beliebten True-Crime-Genres sogenannten "Cold Cases", also lange zurückliegenden, ungeklärten Verbrechen. So möchte ein polnischer "DNA-Ahnenforscher" im schottischen Edinburgh die Identität eines in den 1980er Jahren getöteten Mannes klären und stößt dabei auf Spuren deutscher Familien im heutigen Polen. In der EU gibt es für solche genetische Ahnenforschung aus Datenschutzgründen "rechtliche Grenzen", erfährt man knapp. Doch werden die weder genauer benannt noch problematisiert. Und auch wenn in Teil 2 im Süden Englands ehrenamtliche Freizeitreiter der Polizei als "Augen und Ohren" zuarbeiten, müsste die komplexe Grauzone, in der sich altruistisches Engagement neben dem staatlichen Gewaltmonopol notwendigerweise bewegt, wenigstens umrissen werden. Zeit, ein paar Sätze darüber zu verlieren, böte die Reportage, denn viel Aufregendes passiert der reitenden Patrouille nicht, solange Kameras sie begleiten. Nicht nur einmal ignoriert der Film also naheliegende Probleme. Natürlich darf von einer sichtlich mit viel Vorlauf produzierten ZDF-Dokumentation niemand erwarten, dass sie auf tagesaktuelle politische Diskussionen eingeht, wie sie etwa aktuell um Pläne wogt, die Befugnisse der deutschen Bundespolizei zu erweitern und die Befugnisse der Nachrichtendienste auszuweiten. Aber wie dieser "plan b"-Zweiteiler im offenkundigen Bemühen, ein bisschen Stoff für jedes Interesse zu bieten, Kuriosa ansammelt, ohne auch nur ansatzweise einen gemeinsamen Nenner zu finden, enttäuscht. Und eingestreute Binsen wie "Jeder Mensch hinterlässt digitale Spuren, durch Posts, Likes, Kommentare, Onlieneinkäufe und mobiles Bezahlen" wirken in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre selbst im Nachmittagsprogramm des ZDF unterkomplex.