Mainz (KNA) Die Arbeit professioneller Reinigungskräfte mag ja ebenso unerlässlich wie wertvoll und gewiss nicht einfach sein. Auf der sozialen Leiter stehen sie dennoch ziemlich weit unten. Das weiß auch Teri (Aylin Tezel), die als Titelfigur der ZDF-Serie "Serial Cleaner" beim Immobilienunternehmer Ludwig Karanz für wenig Geld, Ansehen und Feedback sauber macht. Wenn sie unter Tränen beteuert, "nur die Putzfrau" zu sein, hat das allerdings nicht unbedingt standesgemäße Ursachen. Denn Teri hat gerade beobachtet, wie Ludwigs Sohn Christian einen Mann erschossen hat, und will der misslichen Lage möglichst lebend entkommen. Da trifft es sich sogar ganz gut, dass die einzige Augenzeugin im Desinfektionsgewerbe berufstätig ist. "Tenside, Wasserstoffperoxid und kaltes Wasser" - nur so, das weiß sie noch von ihrem abgebrochenen Medizinstudium, lasse sich das Blut des Mordopfers rückstandslos entfernen. Während der impulsive Christian (Rick Okon) weiterhin zur Zeuginnen-Beseitigung tendiert, bittet sein besonnener Bruder Vincent (Stefan Gorski) die Fachfrau lieber zur Spuren-Beseitigung. Und wer dabei an eine TV-Figur namens Schotty denkt, liegt nicht allzu weit daneben. Im Fahrwasser von Bjarne Mädels "Tatortreiniger" greift Aylin Tezels "Serial Cleaner" fortan immer dann für den Karanz-Clan zu Putzeimer und Feudel, wenn deren drogenkriminelles Nebengeschäft potenziell entlarvende Anzeichen hinterlässt. Eigentlich eine Win-win-Situation, so scheint es. Mit ihrer halblegalen Tätigkeit nämlich verdient Tevi endlich das nötige Geld hinzu, um ihrer immunkranken Tochter Luca (Hanna Heckt) die sündhaft teure Behandlung organisieren zu können. So scheint es jedenfalls. Denn das Format böte wohl kaum genügend Stoff für sechsmal 45 Minuten, käme Tevi nicht zügig vom Regen in die Traufe. Wie nass es dort genau ist, wird hier zum Wohl der Spannung nicht weiter vertieft. Nur so viel: Spätestens als das LKA einer nicht näher spezifizierten deutschen Großstadt Jagd auf Familie Karanz macht, gerät auch Tevi ins Visier der ehrgeizigen Kommissarin Demir (Jana Julia Roth). Und das verstärkt schon deshalb ihr Dilemma, weil sie sich (natürlich) in den supersüßen Vincent verliebt, was den superfiesen Christian (selbstredend) noch etwas mehr gegen den Eindringling aufbringt. Ein echter Gesinnungstest für die haltungsstarke Hauptfigur. "Ich bin nicht käuflich", sagt sie zu Beginn noch über das unmoralische Angebot fortgesetzter Beihilfe zu Delikten aller Art. Doch je mehr finanziellen Aufwand Lucas unerlässliche Gentherapie erfordert, desto elastischer wird das ethische Korsett der Komplizin bei mal mehr, mal weniger schwerer Straftaten. Und damit bohrt das ZDF natürlich schon ganz schön dicke Dramenbretter. Nach Büchern von Andreas Gutzeit, Swantje Oppermann und Florian Puchert dreht Regisseur Andreas Menck allerdings auch kein Medical, sondern einen Thriller und erörtert dabei mehr als nur nebenbei ethische Grundsatzfragen dazu, was Mutterliebe darf und was nicht. Das ist mitunter ein bisschen plakativ, wenn nicht gar klischeehaft. Der Erzählstrang diametral unterschiedlicher Brüder zum Beispiel wurde seit Shakespeare sicher schon hunderttausendfach durchdekliniert. Und praktisch alle Szenen mit der zehnjährigen Luca, die ständig im keimfreien Astronautenanzug herumläuft und von ihrer Marsmission träumt, sind auf sehr, sehr deutsche Art rührselig statt anrührend. Und wenn sich die wunderschöne Alida (Deleila Piasko) beim ersten Auftritt in Folge 1 mit "Dafür sind Schwestern ja da" vorstellt, während Teri knisternde Papiersätze wie "Die Immuntherapie ist Lucas einzige Chance zu leben" aufsagt, klingt "Serial Cleaner" exakt so didaktisch wie zwei Drittel aller Serien Made in Germany. Dass sie tendenziell dennoch zu den besseren 33 Prozent zählt, liegt vor allem an Aylin Tezel im Zusammenspiel mit dem großartigen Stefan Gorski, der zuletzt als Provinzpopulist in "Braunschlag 86" brillierte. Kaum eine Kollegin verkörpert trotzige Verzweiflung hierzulande ja so glaubhaft wie die 42-jährige Schauspielerin aus Bielefeld. Als Tochter eines türkischen Arztes und einer deutschen Krankenschwester wirft sie obendrein ungeheuer plausibel mit medizinischen Fachbegriffen um sich. Und dann verkneift sich die Regie auch noch, ihren Löwenmutterkampf ums Kind permanent in geigenumflorter Gefühlssoße zu ertränken. Überhaupt zeigen vom Ton (Uli Frank) über das Szenenbild (Algirdas Garbaciauskas) bis hin zur angenehm entschleunigten Kamera (Lars Petersen) alle Gewerke, warum ZDFNeo das Geld für seine chronisch missratenen Comedy-Katastrophen wie die Agentenfarce "Spyon" lieber in sorgfältig inszenierte Dramen à la "Serial Cleaner" stecken sollte. Diese Serie macht gewiss nicht alles richtig. Anders als all die lieblosen Lifestyle-Zoten an gleicher Stelle allerdings zeigt sie aufrichtiges Interesse an ihren Figuren und deren Befindlichkeiten. Und sei es beim Ausputzen krimineller Spuren.