Mit Handschuh gegen Dämonen - "Onimusha: Way of the Sword" verzaubert mit viel japanischer Folklore

Von Steffen Haubner (KNA)

GAMING - Schönheit und Grauen liegen in der Gameswelt oft nah beieinander. Das gilt auch für ein interaktives Kunstwerk, dessen Held auf den Spuren Toshiro Mifunes wandelt. In der Kurzkritik: "Hearth and Hamlet".

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"Onimusha: Way of the Sword"

Foto: KNA/KNA

Bonn (KNA) "Dark Fantasy" nennt sich ein Genre, das Mystik, fantastische Welten mit Elementen alltäglicher Erfahrung und eine eher düstere Weltsicht miteinander verbindet. Insofern ist es mit dem klassischen Märchen verwandt, insbesondere jenen mündlich überlieferten Volksmärchen, die mit den bekannten modernisierten Versionen kaum etwas gemein haben. Japan bietet einen besonders reichhaltigen Schatz an solchen Märchen und Legenden, aus dem sich das Action-Adventure "Onimusha: Way of the Sword" ausgiebig bedient. Die Geschichte des legendären Ronin Miyamoto Musashi, dessen Physiognomie recht offensichtlich dem legendären Schauspieler Toshiro Mifune nachempfunden ist, spielt im historischen Kyōto der frühen Edo-Zeit ab 1600. Unter fachkundiger Anleitung rekonstruierten die Entwickler reale Tempel, Schreine und Straßen anhand von Ortsbesichtigungen, Vermessungen und historischen Quellen. Sie suchten gezielt nach Geschichten, die mit diesen realen Orten verbunden sind, sowie nach sagenhaften Ungeheuern aus der Überlieferung. So bekommt man es mit einer Interpretation des "Nue" zu tun, einem japanischen Dämon aus der Heian-Zeit (794-1185), der aus Teilen verschiedener Tiere zusammengesetzt und besonders mit Kyoto und dem Kaiserhof verknüpft ist. Mythologie, Historie und klassisches Samurai-Kino verschmelzen auf diese Weise zu einer Reise voller fantastischer Kreaturen, spektakulär choreografierter Kämpfe und düsterer Rätsel, denen man auf den Grund gehen muss, um Kyoto vom Zugriff dunkler Mächte zu befreien. Die Stadt wird von einem bösartigen Nebel, dem Miasma, eingehüllt. Überall tun sich Risse ins Schattenreich auf, aus denen die Genma quellen - Unterweltwesen, die die Bevölkerung terrorisieren und alles ins Chaos stürzen. Unterstützt wird Musashi beziehungsweise der Spieler von einem Handschuh, der von einer einst mächtigen Dame aus der Geisterwelt bewohnt wird. Sie kommentiert alle Aktionen und steht dem tapferen Schwertkämpfer mit einer Reihe von Zaubern bei. Im Kiyomizu-Tempel trifft Musashi außerdem auf den Weisen Ono Takamura, der ebenfalls einen Oni-Handschuh trägt und Auskunft über Spielmechaniken wie das Aneignen neuer Spezial-Fähigkeiten gibt. Für die Beherrschung des nach und nach komplexer werdenden Kampfsystems ist es entscheidend, dass man jederzeit den Füllstand der Leisten im Blick hat, um zu überleben und im richtigen Moment genug Energie für mächtige Angriffe zu haben. Das teilweise recht martialische Geschehen wird gebrochen von Musashis ironischen Kommentaren und seinen Wortduellen mit der "Handschuh-Lady". "Onimusha: Way of the Sword" ist ein Spiel für Erwachsene, das dementsprechend von der USK ab 18 Jahren freigegeben wurde. Gleichzeitig ist der künstlerische Anspruch enorm. Die Verzahnung von Spielwelt, Spielmechanik und der fantastischen Geschichte regt dazu an, sich mit der Umgebung auseinanderzusetzen, was ein natürlicheres Gefühl der Entdeckung schafft. Meist muss man mit Einwohnern oder Geistern sprechen, die um Hilfe bitten. So gilt es, eine auseinandergerissene Gruppe von steinernen Götzen wieder zusammenführen, von denen jeder einzelne einen besonderen Charakterzug aufweist. Solche kleinen Geschichten innerhalb der Geschichte mögen auf den ersten Blick überflüssig wirken, erhöhen aber Glaubwürdigkeit und Motivation. So entsteht eine ganz besondere Atmosphäre, die durch den Bezug auf Motive der traditionellen japanischen Mythologie zusätzlich Authentizität erhält. Wenn man so will, ist "Onimusha: Way of the Sword" ein japanisches Märchen zum Mitspielen. Den Kampf gegen die mit allen Mitteln der künstlerischen Überzeichnung dargestellten Dämonen muss man allerdings als spielerischen Akt auffassen können, um Zugang zu diesem interaktiven Kunstwerk zu bekommen. Hersteller/Entwickler: Capcom Altersempfehlung: Keine Jugendfreigabe (USK ab 18 Jahren). Der Titel setzt auf düstere Samurai-Action, Schwertkämpfe und explizite Gewalt im Kampf gegen Dämonen, weshalb sich das Spiel ausschließlich an erwachsene Spieler richtet. Das gruselige Setting wird durch märchenhafte Elemente und humorvolle Dialoge konterkariert. Mehrspieler: Nein Sprache: Japanische und englische Sprachausgabe mit deutschen Bildschirmtexten / Untertiteln (mehrsprachig einstellbar) Plattform: PC, PS5, Xbox Series X/S, Switch 2 Preis: ca. 60-80 Euro (je nach Plattform und Ausführung) Alternativen: Das düstere, historische Fantasy-Japan und das anspruchsvolle Schwertkampf-System finden sich vor allem in Titeln wie der "Nioh-Reihe" (Koei Tecmo) oder "Sekiro: Shadows Die Twice" (FromSoftware) wieder. Wer etwas mehr Open-World-Fokus und bildgewaltige Samurai-Action sucht, greift zu "Ghost of Tsushima" (Sony) oder "Rise of the Ronin" (Koei Tecmo). Retro-Fans finden in älteren Teilen der Reihe wie "Onimusha: Warlords" (Capcom, diverse Plattformen) gute Alternativen. Mit Shakespeare hat dieses Spiel nichts zu tun, das übersetzt so viel heißt wie "Herd und Weiler". Mit letzterem, einer kleinen Ansiedlung also, fängt man in diesem Indie-Spiel für PC an und schreitet vom Lagerfeuer zum Königreich fort. Es gilt, grundlegende Rohstoffe wie Nahrung, Holz, Stein, Eisen, Gold und Magie zu verwalten, um Gebäude wie Tavernen, Kasernen, Banken oder Magieakademien zu errichten. Über Technologiebäume schaltet man neue Gebäude und Gesetze frei, mit denen sich die Zufriedenheit der Bevölkerung und die Einnahmen steuern lassen. Aufbauspiele wie etwa die der "Anno"-Reihe von Ubisoft können ungemein komplex und herausfordernd sein. Doch darum geht es in "Hearth and Hamlet" nicht. Vielmehr geht alles recht gemächlich seinen Gang, man schaut den Bewohnern bei der Arbeit und der Stadt beim Wachsen zu. Falsch machen kann man dabei kaum etwas, die Standorte der Gebäude sind festgelegt, und man weiß immer, was man als Nächstes tun muss. Dazu erklingt geradezu magisch schöne klassische Musik, Retro-Fans wird auch die das mittelalterliche Ambiente darstellende Pixelgrafik ansprechen. Irgendwann muss man Handel mit fernen Reichen treiben und die eine oder andere feindliche Bedrohung abwehren. Doch auch hier lässt sich der Schwierigkeitsgrad reduzieren, sodass das Ganze ein bisschen den Charakter eines spielbaren Malbuchs annimmt. Eine Wohltat in diesen fordernden Zeiten. Game-Infos: "Hearth and Hamlet", Runic Forge/Phorust Studios, für PC, ab 7 Jahren, ca. 8 Euro.

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