Berlin (KNA) Im Auftakt-Film der "Tatort"-Saison 2026/27 ermittelt Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm in einer Einrichtung für Demenzkranke. Bei der Stiftung, die sie betreibt, geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Und dann bekommt es die Kommissarin auch noch mit einem an Demenz leidenden ehemaligen Kollegen zu tun, der einem Serientäter auf der Spur ist. Für die studierte Medizinerin Maria Furtwängler, die am Ausstrahlungstag (13.09.) ihren 60. Geburtstag feiert, war dieser "Tatort: König in Gelb" eine besondere Herausforderung. Denn auch ihr Vater, der Architekt Bernhard Furtwängler, war an Demenz erkrankt, wie sie im Interview des KNA-Mediendienstes beschreibt. KNA-Mediendienst: Frau Furtwängler, Sie spielen eine Fernsehkommissarin und waren im echten Leben Ärztin. Wie passt das in einem TV-Krimi wie dem "Tatort: König in Gelb" zusammen, durch den sich komplette 90 Minuten lang das Thema Demenz zieht? Maria Furtwängler: Ich hatte schon im Vorfeld gemerkt, das ist gut recherchiert, und deshalb konnte ich mich auch aus meiner medizinischen Erfahrung auf das Drehbuch von Alexander Adolph verlassen. Dazu kommt die ganz persönliche Erfahrung mit meinem Vater, der an Demenz erkrankt und 2012 daran gestorben ist. MD: Eine kurze, aber berührende Szene im Film ist die Begegnung von Charlotte Lindholm mit ihrer Mutter auf der Straße. Als diese Ihren demenzkranken Kommissar-Kollegen Vogel sieht, sagt sie sinngemäß: 'Wenn es mit mir mal so weit kommt, nimm deine Pistole und erschieß mich.' Nun wird Ihre Filmmutter Annemarie Lindholm bekanntermaßen von Ihrer eigenen Mutter Kathrin Ackermann gespielt... Furtwängler: Ich glaube, dieser Satz beschreibt eine Haltung, die unser Drehbuchautor Adolph auch aus seiner Familie kennt. Und sie ist auch meiner Mutter nicht ganz fremd, würde ich sagen. Also diese Vorstellung, dass man eigentlich funktionieren muss, normal sein muss - und wenn das nicht mehr geht, dann sollte man abtreten. MD: Können Sie sich erklären, woher diese Haltung kommt? Furtwängler: Ich habe manchmal das Gefühl, es geht hier um so eine Schroffheit und Härte, besonders bei den Generationen, die den Zweiten Weltkrieg oder die unmittelbare Nachkriegszeit mit all ihren Entbehrungen noch erlebt haben. Also ganz grundsätzlich eine Zeit, in der das "Funktionieren" eine ganz entscheidende Rolle spielt. MD: Sie sind als Charlotte Lindholm im Film mit einem an Demenz erkrankten Kommissar-Kollegen konfrontiert, der im Umfeld des Demenzdorfes die Auflösung einer ganzen Mordserie wittert. Dabei sehen Sie manchmal ziemlich mitgenommen aus von den Schwankungen dieses von Andreas Lust gespielten Kommissars Vogel zwischen seinen aggressiven Ausfällen und Vorwürfen. Furtwängler: Das hat Andreas Lust sehr gut gespielt. Ich erinnere mich auch bei meinem Vater an diese Übergänge, diese Launen. Wie schnell das zwischen großer Wut und dann wieder weinerlicher Verzweiflung hin und her wechseln kann. Auch dieses Schwanken zwischen klaren Momenten und einer großen Unschärfe - das kannte ich gut. MD: Themen wie Demenz haben es im Fernsehen abseits von Dokus oder Ratgebersendungen oft schwer. Oder ändert sich hier allmählich etwas? Furtwängler: Ich finde ganz großartig, wie Alexander Adolph hier gerade keinen Themenfilm daraus macht. Sondern dass Demenz quasi im Mittelpunkt der Handlung steht, aber dennoch nicht über sie als bestimmendes Thema verhandelt wird. Dadurch können wir uns als Protagonistinnen dem gar nicht entziehen, wir werden Teil dieser Welt und dieser Art zu denken. Ich muss mich als Charlotte Lindholm ja selbst dauernd fragen: Spinne ich, ist das hier richtig? Und mich der Frage stellen: Was bin ich denn eigentlich als Kommissarin, wenn mir das wichtigste Instrument für meine Arbeit flöten geht, nämlich mein scharfer Verstand? MD: War das für Sie eine Herausforderung? Sie spielen die Charlotte Lindholm ja immer etwas distanziert, haben etwas leicht Unnahbares. Und jetzt ist da dieser Kommissar Vogel, der anfängt, Sie einfach zu duzen oder Sie "Karotte" nennt. Da ist Ihre ganz große Irritation zu spüren - und dann auch die Bereitschaft, sich das alles gefallen zu lassen, weil sich nur so damit umgehen lässt. Furtwängler: Das hat mir gut gefallen, weil ich diesen Bogen ja selbst erfahren habe: dass man am Anfang gereizt und genervt ist. Aber dann merkt eben auch Charlotte, damit kommt sie überhaupt nicht weiter, sie muss sich den wechselnden Zuständen dieses Mannes stellen. Mich hat die Szene sehr berührt, wie Andreas Lust als Vogel da im Bett liegt und erst ganz wichtige Sachen zum Fall mit vielen Fachausdrücken erläutert und im nächsten Moment sagt: "Wenn ich groß bin, möchte ich Polizist werden." Da habe ich mich hier und da sehr an Situationen mit meinem Vater erinnert, zumal es zwischen ihm und Andreas Lust auch physiologisch eine gewisse Ähnlichkeit gibt. MD: Hat es Sie wegen dieser Erinnerungen Überwindung gekostet, diese Rolle zu spielen? Furtwängler: Der Tod meines Vaters liegt 13 Jahre zurück. Wenn nur ein, zwei Jahre dazwischengelegen hätten, wäre das, glaube ich, schwieriger gewesen. So waren diese Erinnerungen und meine Reaktionen darauf durchaus bereichernd für mich als Schauspielerin, weil ich eben diese Erfahrung hatte. Gleichzeitig mit der eigenen Mutter zu spielen, ist allerdings gar nicht immer leicht. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht in einen zu privaten Ton falle, weil es eben meine reale Mutter ist. MD: Frau Furtwängler, Sie sind ja längst nicht mehr "nur" Schauspielerin. Sie haben schon Drehbücher mitentwickelt und den "Tatort: Alles kommt zurück" mit Udo Lindenberg koproduziert. Beim "König in Gelb" hat Andreas Adolph das Buch geschrieben und Regie geführt - würde es Sie reizen, auch mal einen kompletten "Tatort" zu inszenieren? Furtwängler: Ganz klar nein, ich habe komischerweise gar keine Ambitionen, zu inszenieren. Ich finde das Entwickeln total spannend, auch noch zu produzieren. Aber in erster Linie liebe ich es, zu spielen - das ist mein Beruf.