Schillernde Grüntöne - ZDF-Doku geht auf die Suche nach den Ursprüngen des Matcha-Hypes

Von Christian Bartels (KNA)

DOKU - Eine ZFD-Doku geht flott-unterhaltsam und durchaus informativ dem globalen Matcha-Trend, seinen Wurzeln und seinen Auswirkungen nach. Das ist sowohl visuell als auch inhaltlich ansprechend.

| KNA Mediendienst

alt

"Matcha - Genuss mit Beigeschmack"

Foto: Ralf Gemmecke/ZDF/KNA

Mainz (KNA) Grün boomt. Vielleicht nicht gerade in der Politik, aber auf Social-Media-Plattformen steht die Farbe hoch im Kurs. Was vor allem an den leuchtenden Grüntönen liegt, mit denen Matcha-Produkte auf Fotos und Videos glänzen. Die fein zermahlenen Blätter der Grüntee-Pflanze Camellia sinensis haben sich zu einem weltweiten, von Influencern angefeuerten Trend in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen entwickelt. Diesem Trend geht die 45-minütige ZDF-Doku "Matcha - Genuss mit Beigeschmack" nach - und bietet eine Menge Informationen. Zum Beispiel, dass die Importe des Pulvers aus Japan nach Deutschland 2025 um 40 Prozent anstiegen - auf rund 618 Tonnen. Insofern macht auch eine Reise nach Japan Sinn. In der Tee- und Matcha-Hochburg Uji lässt sich Presenter-Reporterin Victoria Reichelt einerseits traditionelle Anbaumethoden zeigen und vollzieht den zeitaufwändigen zeremoniellen Genuss des ursprünglichen Getränks ganz ohne Milch und Zucker nach. Andererseits erfährt sie von den Problemen, die der Matcha-Boom mit sich bringt. Denn die traditionelle, umweltverträgliche Ernte kostet viel mehr Zeit als weniger schonende maschinelle Methoden, auf die wegen der weltweit steigenden Nachfrage vor allem chinesische Produzenten setzen. In Japan mangelt es wegen der harten Arbeit den Teebauern an Nachwuchs. Außerdem macht der Klimawandel den Pflanzen zu schaffen. Wegen der zunehmenden Hitze, aber auch, um die Aminosäure L-Theanin anzuregen, die für den süßlich-herzhaften "Umami"-Geschmack sorgt, werden die Pflanzen beschattet. Das regt sie zu erhöhter Chlorophyll-Produktion an und macht sie so besonders grün. Zurück in Deutschland geht Reichelt außerdem dem Verdacht nach, dass in importiertem Matcha in Europa zumeist verbotene Neonikotinoide stecken könnten. Diese werden als Pestizid eingesetzt und können, so die Ärztin Kumiko Taira, auch bei Menschen Nebenwirkungen auslösen. Überhaupt taugt die Doku auch als Verbrauchersendung. Mit Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern öffnet, beriecht und probiert Reichelt Produkte wie Haferdrinks, die außer viel Zucker 0,8 Prozent Matcha enthalten. Aufdrucke wie "Matcha" und der Begriff "ceremonial", der in Japan für besonders hochwertigen Matcha steht, sind in Europa nicht geschützt. Für einen Ausflug nach Brandenburg, wo die Winzerin Antje Kühnle mit chinesischen Samen und einer von Sonnenenergie gespeisten Fußbodenheizung mit Matcha-Anbau experimentiert, reicht die Zeit dann auch noch, bevor Ernährungsforscher Stefan Kabisch von der Charité sowie eine Lebensmittelchemikerin in Sachen Pestizid-Verdacht Entwarnung geben können. Negative Auswirkungen gibt es also nicht, allerdings lassen sich auch die von zahlreichen Matcha-Influencern verkündeten Gesundheitsversprechen nicht belegen. Bloß von Aluminium, für das es in Deutschland keine gesetzlichen Grenzwerte gibt, könnten hierzulande verkaufte Matcha-Produkte bedenkliche Mengen enthalten, verrät die Doku dann noch. Daher rät die Verbraucherschützerin, höchstens drei Matcha-Getränke am Tag zu trinken - also mit der "Achtsamkeit" zu konsumieren, die dem Matcha-Trend von seinen Anhängern ohnehin nachgesagt wird. Fazit: Diese flott-unterhaltsam gestaltete Doku um ein gehyptes Trend-Produkt dürfte online deutlich mehr Publikum erreichen als auf dem sonntagnachmittäglichen Sendeplatz im ZDF. Zwar geht der Film selten in komplexere Tiefen, bringt dafür aber viele Aspekte zwischen uralten japanischen Tee-Traditionen, globalem Konsum und schnelllebigen Trends zusammen. Und auch visuell spricht er an - nicht zuletzt wegen vieler teils natürlicher, teils eher künstlich anmutender Grüntöne.

Lesen Sie weiter auf www.KNA-News.de