Alles hängt mit allem zusammen - ZDF-Krimi aus dem Frankfurter Nachtclubmilieu

Von Katharina Zeckau (KNA)

FILM - Ein verdeckter Ermittler wird erschossen aufgefunden. BKA-Kommissarin Gloria Acheampong ermittelt in ihrem zweiten Fall zwischen Frankfurter Rappern und Junkies - obwohl sie eigentlich befangen ist...

| KNA Mediendienst

alt

"Die Polizistin und die Todesstille"

Foto: Nik Konietzny/ZDF/KNA

Mainz (KNA) Als Gloria Acheampong vor zwei Jahren zum ersten Mal in der ZDF-Primetime ermittelte, war das nicht weniger als eine kleine Revolution: eine schwarze Hauptdarstellerin als titelgebende Kommissarin - und dann noch eine Story, in der diese Hautfarbe nicht ständig thematisiert wurde. Es war ein Stückchen Normalität, das endlich auch im Fernsehen angekommen zu sein schien. Drehbuchautor und Regisseur Lars Becker hatte jahrzehntelang dafür gekämpft und in Schauspielerin Thelma Buabeng eine kongeniale Mitstreiterin gefunden. Mit dem Krimi "Die Polizistin und die Todesstille", den das ZDF am Montag, dem 21. September, von 20.15 bis 21.45 Uhr ausstrahlt, legt dasselbe Team nun nach. Nach der dänisch-deutschen Grenze wird die BKA-Fallanalystin diesmal in und um Frankfurt am Main eingesetzt: Ein verdeckter Ermittler wurde erschossen aufgefunden - direkt vor der Villa eines früher mal erfolgreichen Rappers. Die Fäden laufen schnell zusammen: Nikki (Marc Benjamin), der das Haus des pleitegegangenen Musikers kaufen will, ist DJ in dem Club, in dem Undercover-Agent Yunis als Barmann arbeitete und nebenbei die Drogengeschäfte seines Chefs mitschnitt. Liiert ist Nikki mit Stewardess Emma (Haley Louise Jones), die kurz zuvor Gloria auf einem Flug betreut hatte. Gloria ihrerseits stand dem Toten näher, als die Kollegen und Kolleginnen vom LKA, mit denen sie hier zusammenarbeitet, wissen dürfen. Letztere wiederum scheinen den impulsiven Nachtclubbesitzer Leon (Carlo Ljubek) besser zu kennen, als es üblich sein sollte zwischen Polizisten und halbseidenen Geschäftsleuten ... Eine solch netzartige Struktur prägt die Ensemble-Filme von Lars Becker - meistens sind es Krimis - fast immer: Alles hängt mit allem zusammen, jeder ist mit jedem verbandelt. Oft funktioniert das ausgezeichnet. Schließlich stellt sich Drehbuch- und Regie-Routinier Becker (auch diesmal hat er das Buch zu seinem Film selbst geschrieben) stets einen hervorragenden Cast zusammen - der im Übrigen schon selbstverständlich multikulti war, als die allermeisten hierzulande das Wort noch nicht mal buchstabieren konnten. Auch in diesem zweiten Fall um "die Polizistin" sind zahlreiche typische Becker-Ingredienzien zu finden. Trotzdem will die Mischung hier nicht so ganz aufgehen. Was an einem etwas reißbretthaften und auch zu wortlastigen Drehbuch liegt sowie an zu vielen, teils unpräzise gezeichneten Figuren. Und auch an mancher Ungereimtheit: beispielsweise das Geheimnis, das Gloria und den Toten verband. Wenn schon, dann hätte man dieses etwas konstruierte Detail in voller Konsequenz ausspielen müssen. Wieso aber beispielsweise LKA-Mann Boris das Wissen um die Verbindung nicht nutzt, um Gloria von dem Fall abzuziehen - was in seinem ureigenen Interesse gewesen wäre -, bleibt ein Mysterium des Drehbuchs. Dadurch wird die (ohnehin kleine) Rolle von Tobias Oertel flacher, als sie es verdient hat. Doch auch die Figur der Gloria "braucht" dieses Detail eigentlich nicht: Unbeirrt und zielstrebig hätte diese toughe Polizistin auch bei einem ihr unbekannten Mordopfer ermittelt, so viel ist klar. So tut das Drehbuch an dieser Stelle gewissermaßen zu viel - und an anderen zu wenig. Nichtsdestotrotz bietet der Krimi solide Unterhaltung und gehört noch immer zum Besseren, was das hiesige Fernsehen zu bieten hat. Das liegt an einer souveränen Regie, überzeugender Bildgestaltung und gelungener Musikspur - zuvorderst aber an den tollen Darstellern: Allen voran die mit Coolness und Tiefe aufspielende Thelma Buabeng. Slavko Popadic als korrupter, aber auch nicht gänzlich seinen Wertekompass verloren habender Polizist. Oder auch Haley Louise Jones als hin- und hergerissene Ehefrau und spätere Witwe - spannend etwa die schön vielschichtige Dynamik zwischen ihrer Figur und Leons Frau Debbie (Almila Bagriacik). Insofern kann man nur hoffen, dass diese im deutschen Fernsehen noch immer ein bisschen revolutionäre Hauptfigur fortgeschrieben wird - und dass sie das nächste Mal dafür ein etwas sorgfältigeres Drehbuch bekommt.

Lesen Sie weiter auf www.KNA-News.de