Havanna (KNA) In Kuba ist die Aktivistin und Influencerin "Anna Bensi" (21) wegen des Filmens von Sicherheitskräften zu einer "Freiheitsbeschränkung" von zwei Jahren verurteilt worden. Medienberichten zufolge wurde auch ihre Mutter verurteilt. Die Entscheidung bedeutet, dass die Bewegungsfreiheit der Verurteilten stark eingeschränkt wird. Unter anderem ist es ihnen untersagt, das Land zu verlassen. Das Gericht warf Anna Sofía Benítez Silvente, wie die Influencerin mit richtigem Namen heißt, und ihrer Mutter Caridad Silvente "Verstöße gegen die persönliche und familiäre Privatsphäre" vor, weil sie ein Video eines Beamten veröffentlicht hatte. Kuba werden von Nichtregierungsorganisationen seit Jahren schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Der Influencerin folgen auf Instagram fast eine Viertelmillion Menschen. Sie bezeichnet sich selbst als anti-kommunistisch und christlich. Vor dem Gerichtssaal hatten sich Vertreter religiöser Gruppen versammelt, die kubanische Staatssicherheit hatte das Gelände streng abgesichert. Benítez sagte den Berichten zufolge beim Verlassen des Gerichtsgebäudes: "Das ist eine Ungerechtigkeit." Es sei unfassbar, dass man sie in so eine Situation gebracht habe, "obwohl ich doch nichts anderes getan habe, als in den Sozialen Netzwerken respektvoll meine Meinung zu sagen". Unterstützer hatten sie vor dem Gerichtssaal mit Beifall und Rufen wie "Freiheit" oder "Patria y Vida" (Vaterland und Leben) - dem Schlachtruf der Opposition - empfangen. Er stammt von einem millionenfach abgerufenen Protestsong, dessen Autoren zu langen Haftstrafen verurteilt wurden und in kubanischen Gefängnissen sitzen oder das Land verließen. Wie der "Miami Herald" berichtet, ging der Prozess auf eine Anzeige eines Bediensteten des Innenministeriums zurück. Er warf der Aktivistin vor, seine Privatsphäre verletzt zu haben, weil sie ihn gefilmt und Bilder von ihm verbreitet habe. Am 10. März war der in Zivil gekleidete Sicherheitsbeamte vor der Privatwohnung von Benítez in einem Vorort von Havanna erschienen, um ihr eine polizeiliche Vorladung zu überreichen. Benítez hatte zuvor Videos im Internet veröffentlicht, in denen sie die kubanische Regierung kritisiert. In Kubas Ein-Parteien-System sind parteipolitische Aktivitäten außerhalb der kommunistischen Strukturen grundsätzlich verboten. Unterdessen berichtete das Online-Medium "ADN Cuba", dass der kubanische Journalist Austin Llerandi in dieser Woche seine Heimat zusammen mit seiner schwangeren Frau in Richtung Brasilien verlassen habe. Das Kubanische Institut für Meinungs- und Pressefreiheit hatte am Mittwoch berichtet, Llerandi sei zuvor von der Staatssicherheit darüber informiert worden, dass ihm eine Haftstrafe drohe, würde er sich weiter an der Verbreitung seines Mediums beteiligen. Im Juli war er zu Verhören vorgeladen worden. Ende August sei Llerandi etwa fünf Stunden lang in einer Polizeidienststelle festgehalten worden. Im Verhör sei seine ungeborene Tochter als Druckmittel eingesetzt worden, so der Bericht. Llerandi war Leiter des unabhängigen Mediums "Amanecer Habanero". Derzeit befinden sich laut Berichten unabhängiger Medien in Kuba zahlreiche Journalisten in Haft. Henry Constantín Ferreiro, Chefredakteur von "La Hora de Cuba", wurde etwa Mitte September inhaftiert. Der Journalist Jorge Bello Domínguez wurde überdies wegen seiner Beteiligung an Protesten 2021 zu 15 Jahren Haft verurteilt.