Geplante Romantik - ZDF-Doku zeigt die Suche nach der großen Liebe damals und heute

Von Joachim Huber (KNA)

DOKU - Für jeden Topf gibt es auch einen passenden Deckel, weiß der Volksmund. Doch die Suche nach dem oder der Richtigen ist seit jeher schwer. Eine ZDF-Doku spannt den Bogen von biblischen Kupplern zu modernen Algorithmen.

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"Amore und Algorithmus - Dating damals und heute"

Foto: Alamy/Phillip Harrington/ZDF/KNA

Mainz (KNA) Irgendwo sind sie ganz bestimmt, der Richtige oder die Richtige. Also werden sie gesucht. Erst von den Eltern, dann über Zeitungsanzeigen, heute vom Algorithmus. "Terra X History" untersucht, wie sich die Suche nach der ganz großen Liebe verändert hat. "Amore und Algorithmus - Datings damals und heute" (ZDF-Streaming ab 10. Oktober, ZDF, 11. Oktober, 0.20 Uhr) ist beim Gang durch die Jahrhunderte so ernsthaft wie amüsant. So ernsthaft, weil die Sehnsucht nach Partnerschaft und Liebe unentwegt und überall bestand und besteht und ihre Erfüllung mit möglichst erfolgversprechenden Methoden angestrebt wurde und wird. Und amüsant ist der Beitrag von Frédérique Veith, weil die 45 Minuten leichtfüßig in Ton und Bild durch diesen wesentlichen Faktor der Menschheitsgeschichte tänzeln. Die Doku beginnt ihren Bogen bei der Bibel: bei der Erzählung, wie ein Knecht Abrahams – der in der Bibel anonym bleibt, aber häufig mit seinem Verwalter Elieser gleichgesetzt wurde – Abrahams Sohn Isaak mit seiner Braut Rebekka zusammenbringt. Schon zur Entstehungszeit dieses Textes wurde also augenscheinlich verkuppelt. Später waren es lange Zeit die Eltern, die nach dem passenden Bräutigam, nach der passenden Braut Ausschau hielten. Die romantische Liebe stand dabei nicht im Vordergrund. Auswahl und Wahl wurden von Herkunft, gesellschaftlichem Status, Religion und der wirtschaftlichen Absicherung der Familie bestimmt. Ehe und Sex als Zweck, als "pragmatische Liebe", wie es der Theologe und Medienexperte Joachim von Gottberg nennt. 1695 erschien in einer englischen Zeitung die wahrscheinlich erste öffentliche Kontaktanzeige. Der Mann hatte genaue Vorstellungen, was die Dame seines Herzens in die Ehe mitbringen sollte, unter anderem eine stattliche Geldsumme. Die Leserschaft war empört, trotzdem war die mediale Partnersuche nicht mehr zu stoppen. In der gleichen Weise, wie sich die gesellschaftliche Stellung von Frauen verbesserte, wurde auch akzeptiert, dass die Kontaktaufnahme zum anderen Geschlecht in der Öffentlichkeit passierte. Mit den "Tanztees", erst im England des 19. Jahrhunderts und später eine globale Erscheinung, wurde der Gedanke etabliert, dass die Liebe ein entscheidendes Heiratsmotiv sein könnte. Die wissenschaftlich gestützten Vermittlungsmodelle ließen nicht auf sich warten. Seit dem 20. Jahrhundert versuchten Biologen, Mathematiker und Psychologen zu klären, was der "Code der Liebe" ist, welche körperlichen, sozialen und emotionalen Faktoren zwei Menschen zusammenbringen können. Bekannt wurde etwa Paul Bowman Popenoe, ein US-amerikanischer Eugeniker und Begründer der modernen Eheberatung in den Vereinigten Staaten. War er zunächst ein vehementer Befürworter von Zwangssterilisationen von Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen - eine Eugenik, die die Nationalsozialisten zur Grundlage für die eigene, menschenverachtende Sterilisationspraxis machten - verlagerte er vor dem Hintergrund der NS-Gräuel seinen Fokus auf die Eheberatung "biologisch wertvoller", vor allem weißer, bürgerlicher Paare. Seine steigende Medienpräsenz machte ihn zu "Mr. Marriage"; 1956 lief im US-Fernsehen die Kuppelshow "People are funny". Was folgte, war die weitere Professionalisierung, schließlich die Digitalisierung der Partnersuche. Romantik, so das Versprechen, wurde planbar. Hugo Schmale wurde mit seinen psychologischen Testverfahren zur Instanz, seine Fragebögen in Computerprogrammen skaliert. Der in Kapitel gegliederte Film erlaubt sich auch einen Exkurs zur Partnervermittlung in der DDR. Dort waren viele Frauen berufstätig und entsprechend selbstständig, was auch zu einer der höchsten Scheidungsraten der Welt führte. Also gab es den "Club der Unverheirateten", in dem die gesellschaftlich relevante Liebe aufblühen sollte. "Amore und Algorithmus" schaut genau hin und findet, was bei diesem Thema kein Wunder ist, ordentlich Augen- und Ohrenfutter. Mit den befragten Expertinnen und Experten wird damit so viel Schwerkraft entfaltet, dass zum Spaß der Betrachtung die Seriosität der Beobachtung kommt. Mit der Gründung der Online-Agentur "Parship" 2001 biegt die Dokumentation auf die Zielgerade. Michael Homberg vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung sieht damit das Zeitalter der "freien Liebe, freien Märkte" angebrochen. Vorbei auch die Suche nach dem einen Lebenspartner, stattdessen ist der Lebensabschnittspartner im Zentrum vieler Klicks und Wisch-Bewegungen. Da ist der Dating-Burnout nicht fern, wenn der Algorithmus wieder und wieder nicht das gewünschte Match liefert. Für nicht wenige bleibt die persönliche Begegnung das Nonplusultra der Partnersuche. Speed-Dating, "Fisch sucht Fahrrad"-Partys, auch das gute, alte Tischtelefon im Berliner Café Keese sind hier beliebte Wege zur gewünschten Zweisamkeit. Das Resümee von Autorin Frédérique Veith mag pessimistisch klingen: Liebe lässt sich nicht erzwingen. Wohl wahr, aber wer sagt denn, dass nicht schon an der nächsten Ecke der oder die Richtige wartet? Gebt dem Zufall eine Chance!

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