Internationaler Serien-Erfolg aus Deutschland - TV-Messe Mipcom befeuert Gerüchte um Fortsetzung von "Babylon Berlin"

Von Wilfried Urbe (KNA)

FERNSEHEN - Mit "Babylon Berlin" hat Deutschland endlich einen internationalen Serien-Erfolg vorzuweisen. Nun mehren sich die Anzeichen, dass es mit dem Projekt doch weitergehen könnte.

| KNA Mediendienst

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Mipcom

Foto: S. d'Halloy/Image & Co/Mipcom/KNA

Cannes (KNA) Auch wenn sich Verantwortliche nicht offiziell dazu äußern wollen: Die Anzeichen mehren sich, dass mit der fünften und letzten Staffel von "Babylon Berlin" die Geschichten um Kommissar Rath und sein illustres Umfeld noch nicht wirklich ein Ende gefunden haben. Eine mögliche Fortsetzung war für viele Expertinnen und Experten ein wichtiges Gesprächsthema auf der weltgrößten Fernsehmesse der Welt, der Mipcom im französischen Cannes, wo sich in diesen Tagen über 10.000 Führungskräfte von Sendern, Streamern, Produktionshäusern sowie Kreativunternehmen aus der ganzen Welt getroffen haben. Dass die Saga endgültig abgeschlossen ist, ist vor diesem Hintergrund äußerst unwahrscheinlich. Denn die deutsche Mega-Produktion hat auch international Standards gesetzt. An der Côte d’Azur waren die letzten Folgen der 20er-Jahre-Saga erneut ein Highlight des Programmvertriebs Beta. In über 140 Territorien auf der Welt sind laut Mitteilung des Münchener Unternehmens die Episoden, die das Publikum in die Zeit der "Roaring Twenties" und den beginnenden Nationalsozialismus zurückversetzen, lizenziert worden. Speziell die beim Publikum gut eingeführten Figuren seien ein Vorteil, wenn es um die Erfolgsaussichten eines wie auch immer gearteten Ablegers gehen sollte, erklärte eine Insiderin während der Messe. Die chronologische Anknüpfung an die vorangegangenen Geschichten scheint aber ausgeschlossen. Gerüchte, dass bereits Verhandlungen zu einer Fortsetzung laufen, wollte auf KNA-Anfrage noch niemand offiziell bestätigen. "An Spekulationen und Gerüchten beteiligen wir uns grundsätzlich nicht", so die Antwort der ARD, die nach dem Ausstieg des Pay-Partners Sky schon die aktuell letzte Staffel der Serie, die im September Deutschlandpremiere feierte, allein gestemmt hatte. Sollte es tatsächlich eine Fortsetzung geben, dürfte der öffentlich-rechtliche Sender wieder wichtigster Finanzier bleiben. Allein 40 Millionen Euro haben die ersten beiden Staffeln gekostet - ein Spitzenbudget für deutsche Verhältnisse, das hauptsächlich von der ARD, Förderzuschüssen, Beta Film und bei den ersten vier Staffeln noch vom Privatsender Sky gestemmt wurde. Für den Vertrieb Beta, der aufgrund seiner Beteiligung die internationalen Verkaufsrechte erhielt, dürfte das Projekt eines der wirtschaftlich wichtigsten in der Unternehmensgeschichte gewesen sein. Und auch für den öffentlich-rechtlichen Senderverbund ist die Serie, was Prestige und Publikumsinteresse angeht, eine Ausnahmeerscheinung: In der Mediathek etwa konnte das (vorläufige) Finale, das zur Zeit der Machterübernahme Hitlers spielt, den Spitzenwert von 13 Millionen Abrufen erzielen und war dort damit die erfolgreichste Staffel überhaupt. Insgesamt erzielte die komplette Drama-Reihe 134 Millionen Abrufe. Traditionell waren es im Ausland ohnehin vor allem Hitler, die Nazis und die deutsche Teilung Serien-, Film- oder Doku-Themen, mit denen deutsche Produktionen Erfolg hatten. Doch daran hat das internationale Interesse an "Babylon Berlin" diesmal wohl nicht gelegen. Das meint zumindest der US-Medienunternehmer Richard Lorber: "Es hat weniger damit zu tun, dass es um ein Thema geht, das aus Deutschland stammt. Es ist der hohe Qualitätsstandard, der hier eine Rolle spielt, und es ist ein spannendes Drama - mit diesem Mix kann so eine Produktion überall funktionieren. Genauso wie die Serie 'Das Boot'". Lorber ist Inhaber und Geschäftsführer eines Unternehmens, das auf den Vertrieb von Arthouse-Filmen, Weltkino, Dokumentationen und Klassikern spezialisiert ist. Zu seinen Angeboten gehört auch der Streaming-Dienst MHz Choice, wo "Babylon Berlin" und ebenso "Das Boot" erfolgreich laufen. Der Streaming-Dienst, der sich auf internationale Serien, Krimis, Dramen und Komödien aus über 30 Ländern spezialisiert hat, scheint überhaupt mit deutschen Inhalten erfolgreich zu sein. "Mord mit Aussicht" oder die alte Version von "Kommissar Rex" sind dort Top-Titel. Mit Blick auf "Babylon Berlin" konnte das Portal davon profitieren, dass die ersten drei Staffeln in den USA auf Netflix gelaufen sind, und die Serie daher bereits im Markt eingeführt war. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche Stoffe, auch wenn sie in den Vereinigten Staaten bis zu zwei Millionen Menschen erreichen, Nischenprogramme für ein vor allem höher gebildetes Publikum im Alter von über 45 Jahren bleiben. Während das Geschäft mit "Babylon Berlin" noch nach den klassischen Regeln stattgefunden hat, zeigte sich in Südfrankreich, dass sich das gesamte TV- und Streaminggeschäft in einer gewaltigen Disruption befindet. Das war auf der Mipcom wie in einem Brennglas deutlich zu erkennen. Große Übernahmen, etwa die des Warner-Konzerns durch den US-Mediengiganten Paramount mit einem Volumen von 111 Milliarden Dollar, scheinen hauptsächlich dazu zu dienen, neben der Vergrößerung der Reichweite massenhaft Personal abzubauen. Ähnliches zeichnet sich, natürlich ein paar Nummern kleiner, aktuell auch bei RTL nach dem Zusammenschluss mit Sky ab. Selbst Netflix wirkte in Cannes neben Tiktok und Youtube nur noch als Randerscheinung. Und Akteure wie Creator oder Influencer, die früher nichts mit TV und Film zu tun gehabt haben, waren auf der Messe präsenter denn je. Auch der Stand von Spielzeughersteller Mattel zeigten in Cannes, wie wichtig Konzerne als Finanziers geworden sind. "Vielleicht wird hier im nächsten Jahr ein Markenartikler der größte Auftraggeber sein", mutmaßte Anthony Damianakis von der Agentur IPX während eines Vortrags, der dem Publikum erklären sollte, wie "Brands" an TV- oder Streaminginhalte beteiligt werden können. Der größte Elefant im Raum dürfte in Cannes aber die Künstliche Intelligenz gewesen sein: Schon jetzt würden zum Beispiel in China 75 Prozent aller Kurzform-Dramen über KI produziert, berichtete Le Yang, Geschäftsführerin von Huanyu Entertainment mit Sitz in Peking. Der Londoner Medienanalyst Guy Bisson von Ampere Analysis warnte gar vor einem "Kalten Krieg", der zwischen den USA und China bereits in vollem Gang sei: "Es geht darum, wer letztlich die Oberhoheit über diese Technologie gewinnt, die in den nächsten zehn Jahren nicht nur unsere, sondern jede Branche extrem verändern wird."

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